Grob-Mitarbeiter sollen auf Millionen verzichten, um Jobs zu retten
Grob-Mitarbeiter sollen auf Millionen verzichten

Beim Maschinenbauer Grob in Mindelheim sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, um Arbeitsplätze zu erhalten. Nach Informationen unserer Redaktion sieht ein internes Sparpaket vor, dass die Beschäftigten bis zu 20 Prozent ihres Entgelts einbüßen – je nach Einkommenshöhe. Das Ziel: Einsparungen von rund 100 Millionen Euro, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.

Hintergrund: Schwierige Auftragslage

Der Traditionsbetrieb, der vor allem für seine Fertigungstechnik in der Automobilindustrie bekannt ist, leidet unter der schwachen Nachfrage. Die Auftragseingänge sind zuletzt deutlich zurückgegangen, insbesondere bei Elektroantrieben, wo Grob stark investiert hatte. Die Geschäftsführung hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, Stellen abzubauen. Nun sollen zusätzliche Einsparungen die Mitarbeiter direkt betreffen.

Laut Betriebsrat sollen die Verhandlungen über das sogenannte „Zukunftsprogramm“ bereits begonnen haben. Dabei geht es nicht nur um Gehaltsverzicht, sondern auch um Arbeitszeitmodelle und mögliche Abfindungen. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich auf Anfrage nicht zu den Details äußern, bestätigte aber, dass man mit den Arbeitnehmervertretern über Maßnahmen zur Kostensenkung spreche.

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So könnte das Sparpaket aussehen

Nach dem internen Konzept sollen Beschäftigte mit höheren Einkommen prozentual mehr beitragen. Konkret bedeutet das: Wer mehr als 5.000 Euro brutto im Monat verdient, soll auf 15 Prozent verzichten, wer zwischen 3.500 und 5.000 Euro verdient, auf zehn Prozent, und alle anderen auf fünf Prozent. Zudem sollen Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld für zwei Jahre ausgesetzt werden. Im Gegenzug sichert das Unternehmen zu, für diesen Zeitraum keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.

„Wir wollen gemeinsam durch die Krise kommen“, sagte ein Mitglied der Geschäftsleitung, das namentlich nicht genannt werden wollte. „Die Alternative wären drastische Einschnitte bei der Belegschaft.“ Die IG Metall, die in dem Betrieb vertreten ist, hat jedoch Vorbehalte: Sie fordert, dass zunächst die Aktionäre und das Management ihren Beitrag leisten müssen. Das Unternehmen gehört mehrheitlich der Familie Grob, die sich nach Informationen unserer Redaktion an dem Sparpaket nicht beteiligen will.

Reaktionen aus der Belegschaft

Unter den rund 2.300 Beschäftigten am Standort Mindelheim ist die Stimmung gemischt. Viele verstehen die Notwendigkeit, aber einige kritisieren, dass die Last einseitig auf die Arbeitnehmer abgewälzt werde. „Wir haben in den letzten Jahren auf Boni und Erhöhungen verzichtet, jetzt sollen wir nochmal draufzahlen“, sagt ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. Ein anderer zeigt Verständnis: „Wenn es hilft, die Arbeitsplätze zu sichern, bin ich dabei.“

Die Gewerkschaft kündigte an, die Verhandlungen kritisch zu begleiten. „Wir werden nicht zulassen, dass die Beschäftigten die Hauptlast tragen“, so ein IG-Metall-Bevollmächtigter. Man werde auf einer sozialen Absicherung bestehen und prüfen, ob die geplanten Einsparungen überhaupt ausreichen, um das Unternehmen langfristig zu stabilisieren.

Auswirkungen auf die Region

Grob ist einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Unterallgäu. Sollte es zu einem Stellenabbau kommen, hätte das erhebliche Folgen für die Region. Die Stadt Mindelheim und die umliegenden Gemeinden fürchten sinkende Steuereinnahmen und einen Verlust an Kaufkraft. Der Landrat zeigte sich besorgt, hofft aber auf eine Lösung: „Wir brauchen Grob als stabilen Arbeitgeber. Ich appelliere an alle Seiten, tragfähige Kompromisse zu finden.“

Das Unternehmen selbst betont, dass die Maßnahmen notwendig seien, um die Zukunft zu sichern. Die Investitionen in neue Technologien wie die Fertigung von Batteriekomponenten sollen fortgesetzt werden. Man sei zuversichtlich, dass die Krise überwunden werden könne, wenn alle an einem Strang ziehen.

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Wie geht es weiter?

Die Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat sollen in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Eine Einigung scheint möglich, aber es gibt noch offene Punkte, insbesondere bei der Frage, ob die Aktionäre ebenfalls einen Beitrag leisten. Die Belegschaft soll in einer Betriebsversammlung informiert werden, die für Anfang März geplant ist. Bis dahin bleibt die Unsicherheit groß.

Für die Beschäftigten bedeutet das: Sie müssen sich auf harte Einschnitte einstellen. Ob die geplanten Einsparungen ausreichen, um die Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern, ist ungewiss. Die nächsten Monate werden zeigen, ob der Maschinenbauer gestärkt aus der Krise hervorgehen kann.