Berichte über einen massiven Stellenabbau und mögliche Werksschließungen bei Volkswagen haben bei Beschäftigten, Betriebsrat und IG Metall Empörung ausgelöst. Auch die Politik reagiert alarmiert und geht auf Konfrontation zum VW-Vorstand. Laut einem Bericht des „Manager Magazins“ plant Konzernchef Oliver Blume den Abbau von bis zu 100.000 der weltweit 657.000 Stellen. Vier Werke in Niedersachsen, Sachsen und Baden-Württemberg stünden auf der Kippe: Emden, Zwickau, Hannover (VW Nutzfahrzeuge) und Neckarsulm (Audi).
Widerstand aus den Bundesländern
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der im VW-Aufsichtsrat sitzt, stellt klar: „Das Land wird keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt. Die Zukunft von VW wird nicht dadurch gewonnen, dass man immer neue Werksschließungen oder immer größere Stellenabbauprogramme in den Fokus stellt.“ Entscheidend seien wettbewerbsfähige Fahrzeuge und eine klare strategische Ausrichtung. „Genau das hat VW groß gemacht, und genau daran muss der Vorstand sich messen lassen.“
Der Betriebsrat und die IG Metall kündigten an: „Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern.“
Sorgen um Zwickau und Neckarsulm
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) zeigt sich besorgt um das Werk in Zwickau: „Wir werden um das Werk, um die Arbeitsplätze kämpfen.“ Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) betont, Volkswagen gehöre zum Markenkern Deutschlands: „Wenn dieses Unternehmen aufgibt, dann ist das fatal für unser ganzes Land.“
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) fordert Informationen vom VW-Vorstand: „Vom VW-Konzern erwarte ich insbesondere mit Blick auf den Standort Neckarsulm, dass er die Landesregierung von Baden-Württemberg frühzeitig informiert und das Gespräch mit uns sucht. Das sind wir den Beschäftigten schuldig.“ Sollte der Stellenabbau im angekündigten Ausmaß kommen, „wäre das ein tiefer Einschnitt“.
Politiker werfen Management Profilierung vor
Der hannoversche Bundestagsabgeordnete Adis Ahmetovic (SPD) bezeichnet die Sparpläne als „Frontalangriff und eine deutliche Kampfansage“. Er wirft dem Management vor: „Das VW-Management scheint sich inzwischen vor allem mit Ankündigungen zum Stellenabbau profilieren zu wollen.“
CDU-Wirtschaftsexperte Tilman Kuban, ebenfalls Bundestagsabgeordneter aus Hannover, sieht Parallelen zum Strukturwandel im Ruhrgebiet: „Für Niedersachsen ist das der Ruhrpott-Moment. Es hilft jetzt kein Blick zurück mit Verweis auf Managementfehler oder zu hohe Lohnkosten, sondern nur der Blick nach vorne.“ Er fordert einen „Pakt für das Auto“ mit einem Ende des Verbrenner-Aus, neuen Handelsabkommen und einem Deal zur Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze.



