Ausnahmezustand auf der Krim: Panik und Treibstoffmangel
Zwei Stunden nachdem die russischen Besatzer den Ausnahmezustand in Sewastopol ausgerufen hatten, berichtete die Einwohnerin Tatjana von Panik unter der Bevölkerung. „Alle sind außer sich“, schrieb die Ukrainerin, die auf der seit 2014 völkerrechtswidrig annektierten Halbinsel lebt. Die Lage sei furchtbar: „Wir haben seit mehreren Tagen keinen Strom, leere Regale in den Geschäften werden nicht aufgefüllt und die Menschen horten Mehl und Konserven.“ Was der Ausnahmezustand konkret bedeute, habe niemand erklärt.
Besatzungschef verkündet Maßnahme – Details bleiben vage
Der Gouverneur der besetzten Krim, Sergej Aksjonow, hatte die Maßnahme am Freitagmittag auf Telegram verkündet. Damit würden „bürokratische Verfahren im Wirtschaftsbereich“ erleichtert werden, schrieb er. Details nannte er nicht, versicherte jedoch, dass keine Ausgangssperren herrschten und die Bevölkerung sich frei bewegen könne. Mit „Wirtschaftsbereich“ meint Aksjonow offenbar die Stromversorgung, die seit Mittwoch ausgefallen ist, sowie die Lieferung von Kraftstoff. Bereits am Sonntag war der Verkauf von Benzin und Diesel an Privatpersonen auf der gesamten Halbinsel verboten worden. Nur Armee und Behörden dürfen noch Sprit kaufen. Auch der Tourismus wurde eingeschränkt, Ferienlager für Kinder abgesagt. Grund sind ukrainische „Middle Strike“-Angriffe auf russische Energieinfrastruktur, Straßen und Tanklaster.
Inoffizielle Wege zum Treibstoff – zu höheren Preisen
Die Ukrainerin Oksana, die anonym bleiben möchte, berichtet, dass Privatpersonen an Tankstellen zwar keinen Treibstoff mehr erhalten, es aber inoffizielle, teurere Wege gebe, ihn zu bekommen. Wie genau dieser Schwarzmarkt funktioniert, ist nicht bekannt. Militärexperten beobachten die Lage genau; ein vollständiger Lockdown der Krim sei nicht ausgeschlossen.
Lawrow fordert Klärung der US-Rolle bei Friedensbemühungen
Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte eine Klärung der Rolle der USA bei den Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs. Er wies Darstellungen von US-Außenminister Marco Rubio zurück, wonach es bei dem Treffen von Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr in Alaska keine Einigung über die Grundzüge eines Friedensabkommens gegeben habe.
Gazprom erwartet steigenden Gewinn – dank China
Der russische Energieriese Gazprom erwartet im laufenden Jahr einen Anstieg des operativen Gewinns um sechs bis sieben Prozent. Grund seien steigende Lieferungen auf dem heimischen Markt sowie höhere Exporte nach China, sagte Vize-Chef Famil Sadygow auf der Hauptversammlung. Im Jahr 2025 hatte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 2,9 Billionen Rubel (rund 37,7 Milliarden Dollar) betragen.
Ukraine greift Chemiewerk Asot in Russland an
Bei einem Großangriff in der Nacht haben ukrainische Drohnen das Chemiewerk Asot in Nowomoskowsk in der russischen Region Tula angegriffen. Der Gouverneur Dmitri Minjajew erklärte auf Telegram, durch den Angriff seien eine Stromleitung sowie ein Industriebetrieb beschädigt worden. Kriegsbeobachter berichten von einem Großbrand auf dem Werksgelände. Das Werk zählt zu den größten Chemieunternehmen Russlands und liefert nach ukrainischen Angaben chemische Stoffe für die Herstellung von Sprengstoffen an Rüstungsunternehmen.
Wichtige Stromleitung am AKW Saporischschja repariert
Am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja sind nach Angaben der UN-Atomaufsicht IAEA wichtige Reparaturen abgeschlossen worden. Die Reparatur einer zentralen Stromleitung und weiterer für die nukleare Sicherheit entscheidender Infrastruktur sei während einer vorübergehenden lokalen Feuerpause erfolgt, teilte die IAEA mit. Weitere Arbeiten seien jedoch noch nötig.
Bundesjustizministerin Hubig zu erstem Besuch in Kyjiw
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig ist erstmals seit ihrem Amtsantritt zu Gesprächen mit ukrainischen Regierungsvertretern in das von Russland angegriffene Land gereist. Die SPD-Politikerin traf am Morgen mit dem Nachtzug in Kyjiw ein, um an einer Konferenz zum 30. Jubiläum der ukrainischen Verfassung teilzunehmen. Die 1996 beschlossene Verfassung sei „eine Wegmarke in Richtung Demokratie“ und Europa gewesen, sagte Hubig.
Putins Schattenmobilisierung: Razzien gegen Männer mit Schulden
Videos aus der Region Pensa sorgen in Russland für Aufsehen: Uniformierte zwingen Männer in Busse, Passanten leisten Widerstand. Ein Mitarbeiter der russischen NGO „Idite Lesom“ (deutsch: „Geht durch den Wald“), die Männern hilft, den Kriegsdienst zu umgehen, erklärte: „Man griff Männer mit Schulden, Vorstrafen und Betrunkene auf.“ Ziel der Behörden sei es, ein noch größeres Problem zu verhindern – offenbar die wachsende Zahl von Kriegsdienstverweigerern.



