Die anhaltende Dürre in Südosteuropa hat zu einer akuten Stromkrise geführt, die nun auch die Produktion deutscher Autobauer in Ungarn und Rumänien beeinträchtigt. In Rumänien musste die Armee einen Felsen in der Donau sprengen, um das einzige Kernkraftwerk des Landes vor der Abschaltung zu bewahren. In Ungarn läuft das Atomkraftwerk Paks nur noch mit zehn Prozent Leistung, und BMW sowie Mercedes haben ihre Werke in Debrecen und Kecskemet auf Energiesparmodus umgestellt.
Rumänien: Sprengung im Donauflussbett als letzte Rettung
Rumäniens Verteidigungsministerium hat bestätigt, dass die Sprengung eines Felsens im ausgetrockneten Flussbett der Donau die letzte Chance sei, eine komplette Abschaltung des Kernkraftwerks Cernavoda zu verhindern. Die Trümmer sollen so versenkt werden, dass sie mehr Wasser in den Donauarm leiten, der das Kraftwerk kühlt. Bereits jetzt musste das AKW teilweise heruntergefahren werden, da der Wasserstand zu niedrig ist. Sollte die Umleitung scheitern, droht noch diese Woche die vollständige Abschaltung, wie der Verteidigungsminister mitteilte.
Die Dürre hat auch die Wasserkraftwerke in Rumänien und den Nachbarländern stark beeinträchtigt. Die fehlende Elektrizität kann nicht durch Importe ausgeglichen werden, da auch andere Länder unter Strommangel leiden. Um einen Zusammenbruch des Netzes zu verhindern, haben die Behörden drastische Maßnahmen ergriffen: Ford und Dacia haben ihre Produktion in Rumänien für mehrere Wochen gestoppt. Allein diese freiwillige Aktion reduziert den Stromverbrauch um 200 Megawatt, wie Ministerpräsident Ilie Bolojan nach einem Krisentreffen mit Großverbrauchern bekannt gab. Weitere Unternehmen sollen folgen, andernfalls drohen Zwangsabschaltungen.
Ungarn: AKW Paks nur noch mit zehn Prozent Leistung
In Ungarn ist die Lage ähnlich kritisch. Das Kernkraftwerk Paks, das normalerweise etwa 40 Prozent des Stroms liefert, läuft wegen des niedrigen Donauwasserstands nur noch mit zehn Prozent Leistung. Die Regierung hat Unternehmen und Privathaushalte zum Stromsparen aufgerufen. Der staatliche Ölkonzern MOL hat seinen Verbrauch bereits um 40 Prozent gesenkt, und Samsung fährt die Produktion in seinem Batteriewerk nördlich von Budapest herunter, um den Wasserverbrauch zu halbieren und abends Strom zu sparen.
Besonders kritisch sind die Abendstunden, wenn die Solaranlagen keinen Strom mehr liefern und der private Verbrauch steigt. BMW hat in Debrecen ein Werk für die „Neue Klasse“ eröffnet, das tagsüber dank 50 Hektar Solarfläche weitgehend autark ist. Doch abends ist es auf das Netz angewiesen. Seit vergangenem Freitag hat BMW den Stromverbrauch in Debrecen durch ein Maßnahmenpaket um 15 Prozent gesenkt, wie das Unternehmen der „Welt“ mitteilte. Gespart wird bei Anlagenbetrieb, Beleuchtung, Klimatechnik und Ladeinfrastruktur.
Mercedes hat erst kürzlich die Kapazität in Kecskemet verdoppelt. Der Betrieb läuft dort bislang normal, wie ein Sprecher betonte: „Wir beobachten die aktuelle Lage sehr genau und stehen dazu in engem, kontinuierlichem Austausch mit den zuständigen Behörden.“ Auch dort helfen Solaranlagen, doch die Unsicherheit bleibt.
Ausblick: Kritische Tage für Ungarns Stromversorgung
Bislang konnte eine komplette Abschaltung von Paks vermieden werden. Ministerpräsident Peter Magyar zufolge wurde der Stromverbrauch im Land bereits um 500 Megawatt gesenkt. Ob das reicht, werde sich in den kommenden „kritischen Tagen“ zeigen. Magyar hat Zwangsabschaltungen von Industriebetrieben nicht ausgeschlossen, falls die Lage eskaliert.
Für die deutsche Autoindustrie, die ihre Produktion nach Osteuropa verlagert hat, um von niedrigeren Lohnkosten und günstigerem Strom zu profitieren, kommt die Krise zur Unzeit. Die Werke in Rumänien und Ungarn sind wichtige Standorte für die Produktion von Elektroautos und Batterien. Ein längerer Produktionsstopp könnte Lieferketten weltweit beeinträchtigen.



