Unternehmer skeptisch bei Teilkrankschreibung: Ifo-Erhebung zeigt Vorbehalte
Teilkrankschreibung: Unternehmer skeptisch

Die Teilkrankschreibung, die ab 2028 in Deutschland eingeführt werden soll, stößt bei vielen Unternehmen auf Skepsis. Laut einer gemeinsamen Erhebung des Personaldienstleisters Randstad und des Ifo-Instituts hält fast die Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) diese Möglichkeit für nicht sinnvoll. Nur etwa jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) findet sie hilfreich, während 25 Prozent neutral eingestellt sind. Diese Zahlen zeigen eine deutliche Zurückhaltung in der Wirtschaft gegenüber dem neuen Instrument, das helfen soll, den hohen Krankenstand in Deutschland zu senken.

Was ist die Teilkrankschreibung?

Die Teilkrankschreibung wurde vom Bundestag im Rahmen des GKV-Stabilisierungsgesetzes beschlossen. Sie ermöglicht es Ärzten, bei länger andauernden Erkrankungen eine teilweise Arbeitsunfähigkeit festzustellen – etwa in Höhe von 25, 50 oder 75 Prozent. Beschäftigte können dann ihre Arbeitszeit entsprechend reduzieren. Die Regelung soll am 1. Januar 2028 in Kraft treten und ist Teil eines Pakets zur Eindämmung des Krankenstands, der im internationalen Vergleich in Deutschland relativ hoch ist.

Gründe für die Skepsis

Ifo-Forscher Jonas Hennrich erklärt die Zurückhaltung der Unternehmen: »Die meisten Unternehmen befürchten eine schwierige Abgrenzung zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig. Außerdem erwarten sie einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand.« Diese Bedenken spiegeln sich in der Erhebung wider: Die Hälfte der Unternehmen erwartet keine wesentlichen positiven Effekte des Instruments. Dabei könnte die Teilkrankschreibung durchaus Vorteile bieten, etwa kürzere Fehlzeiten oder eine schnellere Rückkehr erkrankter Mitarbeiter – das hofft jeweils ein Drittel der Unternehmen.

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Einsatzmöglichkeiten nach Branchen

Die Erhebung zeigt auch, dass die Teilkrankschreibung nicht überall gleichermaßen umsetzbar erscheint. Am ehesten sehen Unternehmen Einsatzmöglichkeiten in der Administration: 55 Prozent halten sie dort für geeignet. Im Vertrieb und Kundenservice sind es 33 Prozent. In der Logistik (11 Prozent) und in der Produktion (8 Prozent) wird das Instrument dagegen als wenig geeignet angesehen. Diese Unterschiede hängen mit der Art der Tätigkeiten zusammen: Während Büroarbeit oft flexibel gestaltbar ist, erfordern Produktions- und Logistikprozesse häufig volle Einsatzfähigkeit.

Mögliche Vorteile trotz Skepsis

Trotz der allgemeinen Skepsis sehen einige Unternehmen Chancen: 21 Prozent halten es für möglich, dass erkrankte Fachkräfte trotz gesundheitlicher Einschränkungen länger arbeiten können. 12 Prozent erwarten eine flexiblere Personalplanung. Diese positiven Erwartungen stehen jedoch im Kontrast zu den Befürchtungen bezüglich Abgrenzung und Organisation. Die Debatte um die Teilkrankschreibung ist Teil einer größeren Diskussion über den Umgang mit Krankschreibungen in Deutschland, zu der auch die telefonische Krankschreibung und die Attestpflicht ab dem ersten Tag gehören.

Kontext: Krankenstand in Deutschland

Der Krankenstand in Deutschland ist im internationalen Vergleich hoch, was zu wirtschaftlichen Belastungen führt. Die Bundesregierung versucht mit verschiedenen Maßnahmen gegenzusteuern, darunter die Teilkrankschreibung. Doch die Akzeptanz in der Wirtschaft ist offenbar noch gering. Die Erhebung von Randstad und Ifo zeigt, dass viele Unternehmen das Instrument skeptisch betrachten und eher zusätzliche Bürokratie befürchten. Ob sich die Teilkrankschreibung durchsetzen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sie in der Praxis umgesetzt wird und ob die Bedenken der Unternehmen ausgeräumt werden können.

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