Die bayerische Metall- und Elektroindustrie verzeichnet einen deutlichen Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Wie der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM) mitteilte, wurden im Jahr 2024 nur noch rund 8.700 neue Verträge unterschrieben – ein Minus von 11,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit setzt sich der negative Trend der vergangenen Jahre fort.
Rückgang auf breiter Front
Besonders betroffen sind die klassischen Metallberufe wie Zerspanungsmechaniker oder Industriemechaniker. Aber auch in den elektrotechnischen Berufen wie Elektroniker für Betriebstechnik ist die Zahl der Neueinsteiger rückläufig. Der VBM führt dies auf mehrere Faktoren zurück: die allgemeine wirtschaftliche Schwäche, die Unsicherheit durch die Energiekrise und den anhaltenden Fachkräftemangel in der Branche.
„Die Betriebe wollen ausbilden, aber sie finden immer weniger geeignete Bewerber“, sagt VBM-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Gleichzeitig hätten viele Jugendliche aufgrund der Krisenstimmung andere Prioritäten gesetzt und sich für schulische oder akademische Laufbahnen entschieden.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen als Ursache
Die Metall- und Elektroindustrie in Bayern leidet unter der schwachen Konjunktur. Die Auftragseingänge sind rückläufig, die Produktion stagniert. Viele Unternehmen zögern daher, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Hinzu kommen strukturelle Probleme wie die Digitalisierung und der Wandel hin zur E-Mobilität, die neue Qualifikationen erfordern.
Der VBM fordert daher eine Reform des Ausbildungssystems: mehr Praxiseinheiten in den Betrieben, eine stärkere Berufsorientierung an den Schulen und eine bessere Integration von Geflüchteten in die Ausbildung. Auch die Anerkennung ausländischer Abschlüsse müsse vereinfacht werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Folgen für die Wirtschaft
Der Rückgang der Ausbildungszahlen hat langfristige Konsequenzen. Bereits jetzt klagen viele Unternehmen über fehlende Fachkräfte. Wenn die Zahl der Auszubildenden weiter sinkt, wird sich der Mangel in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Experten warnen vor einem Teufelskreis: Weniger Ausbildung führt zu weniger Fachkräften, was die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Industrie gefährdet.
Die bayerische Staatsregierung hat das Problem erkannt und will mit einer Ausbildungsoffensive gegensteuern. Geplant sind unter anderem mehr Fördermittel für überbetriebliche Ausbildungsstätten und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Ausbildung. Ob diese Maßnahmen ausreichen, bleibt abzuwarten.
Für die Jugendlichen selbst bedeutet der Rückgang auch eine Chance: Wer sich für eine Ausbildung in der Metall- und Elektroindustrie entscheidet, hat gute Zukunftsaussichten. Die Branche bietet sichere Arbeitsplätze, gute Aufstiegschancen und überdurchschnittliche Gehälter. Wer jetzt den Schritt wagt, kann von der späteren Erholung profitieren.



