Viele Menschen unterschätzen, wie lange ihr Vermögen im Ruhestand reichen sollte. Laut einer Studie des Finanzdienstleisters Fidelity International planen 54 Prozent der Bundesbürger ab 50 Jahren ihre Altersvorsorge um mindestens zehn Jahre zu kurz.
Dabei ist zwei Dritteln der Bundesbürger bewusst, dass sie den eigenen Lebensstandard im Alter nur mit ihrer gesetzlichen Rente nicht werden halten können. Das zeigt der Vorsorge-Trend des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Um diese Lücke zu schließen, will die Bundesregierung die private Altersvorsorge mit dem Altersvorsorgedepot stärken. In dem Depot sollen Sparer zukünftig steuerbegünstigt investieren können.
Doch wer im Alter keine Abstriche machen will, sollte sich auch abseits des neuen Depots Gedanken über eine private Rentenversicherung machen. Denn diese bietet Vorteile gegenüber klassischen Investments. „Während der Ansparphase fallen auf Erträge und Dividenden keine Steuern an“, sagt Klaus Math, Vorstand der Lebensversicherung LV 1871.
Wer sich für eine lebenslange Rentenzahlung entscheidet, muss sich auch keine Sorgen machen, das Vermögen im Alter vorzeitig aufgebraucht zu haben. Anleger können für ihre private Vorsorge zwischen klassisch verzinsten und kapitalmarktorientierten Lösungen wählen. Zu letzteren zählen fondsgebundene Rentenversicherungen. Diese bieten Chancen auf höhere Auszahlungen, bergen jedoch auch zusätzliche Risiken.
Die Ratingagentur Franke und Bornberg hat für das Handelsblatt deshalb neben reinen fondsorientierten Rentenversicherungen auch Tarife mit einer Kapitalabsicherung von 80 Prozent untersucht. In die Bewertung flossen die Finanzstärke der Anbieter, die Produktqualität und die Höhe der Rentenzahlungen ein. Die Analysten gingen bei den Berechnungen neben der garantierten monatlichen Rente von einer jährlichen Rendite von sechs Prozent aus. Entscheidend für die voraussichtlichen Renten sind im Vergleich die Kosten der Tarife. „Wir bewerten aber nicht die Qualität der Fonds“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg.
Methodik des Rankings
Für den Musterfall einer Person im Alter von 32 Jahren, die bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren monatlich 150 Euro einzahlt, wurden zwei Varianten betrachtet: Bei der Variante fondsorientiert mit Kapitalgarantie in Höhe von 80 Prozent müssen die Anbieter einen Teil der Beiträge für die Kapitalabsicherung verwenden. Bei der Variante ohne Kapitalgarantie können Versicherer ohne Vorgaben investieren. Die Finanzkraft der Versicherer geht mit 20 Prozent in die Bewertung ein, Produktqualität und Rentenhöhe werden jeweils mit 40 Prozent gewichtet.
Lange Zeit prägten Garantien den deutschen Altersvorsorgemarkt. Sie bieten zwar mehr Sicherheit. Doch die Riester-Rente hat gezeigt, wie stark sie zugleich die Renditechancen begrenzen, weil ein Teil des Kapitals konservativ angelegt werden muss. Entsprechend verzichtet die Bundesregierung bei der Reform der privaten Altersvorsorge auf eine verpflichtende Beitragsgarantie.
Dennoch legen viele Menschen weiterhin Wert auf Absicherung. Der Markt hält deshalb nach wie vor Produkte mit Garantien bereit. Acht von ihnen werden im Test mit „exzellent“ und sieben mit „sehr gut“ ausgezeichnet. Zu den am besten bewerteten Produkten zählt „MeinPlan (Hybrid) Tarif FRV, Bausteine Vertragsguthaben“ der LV 1871. Dabei können Versicherte das Niveau der Absicherung individuell festlegen: „Der Kunde kann bestimmen, welcher Anteil der Beitragssumme in Zehn-Prozent-Schritten zum Rentenbeginn zwischen null und 100 Prozent garantiert sein soll“, erklärt Vorstand Math.
Beispielrechnung LV 1871
Die garantierte monatliche Rente beträgt 146,71 Euro. Bei einer unterstellten Wertentwicklung von sechs Prozent pro Jahr würde die monatliche Auszahlung auf 533 Euro steigen. Das Beispiel verdeutlicht, wie stark sich Kapitalmarkterträge auf die Höhe der späteren Altersbezüge auswirken können.
Höhere Erträge ohne Garantie
Wer auf Garantien verzichtet, hat mehr Spielraum bei der Geldanlage. Hier erhalten sieben Produkte die Bestnote „exzellent“, zehn werden mit „sehr gut“ ausgezeichnet. Dazu zählt beispielsweise die „Ergo Rente Chance“ der Ergo. Kunden können dabei aus rund 70 ausgewählten Fonds wählen. Darunter sind viele kostengünstige ETFs auf bekannte Indizes wie den Dax, den S&P 500 oder den MSCI World. Ergänzt wird das Angebot durch aktiv gemanagte Investmentfonds. Positiv bewertet wurden die große Auswahl sowie die hohe Flexibilität bei Beiträgen, Entnahmen und der Ausgestaltung des Vertrags. Versicherte können in bis zu 20 Fonds gleichzeitig investieren. „Bei Beitragszahlung, Kapitalanlage, Entnahmen, Rentenbeginn oder Auszahlungsform haben Kunden zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt Rene Wördemann, Bereichsleiter Produktmanagement bei Ergo.
Das Interesse an der kapitalmarktorientierten Vorsorge steige insgesamt, sagt Franz Billinger von der Allianz Lebensversicherung. „Wir sehen eine verstärkte Nachfrage bei Familien, die Lebensrisiken absichern wollen und auch für ihre Kinder einen Einstieg in eine lebensbegleitende Vorsorge suchen.“
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