Bahn-Ausfall: Technischer Tausch legte Zugfunk lahm – Ursache bekannt
Bahn-Ausfall: Technischer Tausch legte Zugfunk lahm

Ein geplanter Austausch einer technischen Komponente im digitalen Zugfunksystem GSM-R hat am späten Dienstagabend zu einem rund zweistündigen Stillstand des gesamten Bahnverkehrs in Deutschland geführt. Wie die Deutsche Bahn am Mittwoch mitteilte, war der planmäßige Tausch der Komponente die Ursache für die bundesweite Störung. „Wie es dadurch genau zu der Störung kam, analysieren wir nun mit höchster Priorität“, erklärte Philipp Nagl, Chef der für die Infrastruktur zuständigen DB InfraGo. Die Bahn entschuldigte sich in aller Form bei den betroffenen Fahrgästen.

Störung legte Zugverkehr lahm – erste Züge fuhren wieder um 0:30 Uhr

Der Ausfall des GSM-R-Funks begann am Dienstagabend gegen 22 Uhr und führte dazu, dass die Bahn alle Züge an den nächstgelegenen Bahnhöfen zurückhielt. Der gesamte Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr kam zum Erliegen, auch die Berliner S-Bahn war betroffen. Nach rund zwei Stunden gelang es den IT-Experten der Bahn, die Störung zu beheben. „Unsere IT-Experten haben pausenlos an der Entstörung gearbeitet – mit Erfolg. Die Störung konnte so innerhalb kurzer Zeit behoben werden, der Verkehr läuft nun Schritt für Schritt wieder an. Wir danken allen Fahrgästen für ihre Geduld“, teilte die Bahn mit. Gegen 0:30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder.

Am Mittwochmorgen lief der Zugverkehr nach Angaben der Bahn „weitgehend reibungslos“ an. Dennoch könne es „noch vereinzelt zu Einschränkungen kommen“. Reisende wurden gebeten, ihre Verbindungen vor Fahrtantritt zu prüfen.

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Chaos an Flughäfen und bei Großveranstaltungen

Der Ausfall traf auch viele Fluggäste am Hauptstadtflughafen BER. Ein Tagesspiegel-Reporter berichtete, dass etwa 200 Menschen gegen 23 Uhr auf Busse in Richtung Berlin warteten, doch längst nicht alle fanden einen Platz. Touristen zeigten sich ratlos: „Typisch Deutschland“, sagte ein Paar aus Dresden. Eine Gruppe junger Briten war verzweifelt: „Das versteht man überhaupt nicht, welchen Bus man jetzt nehmen muss und warum es keine Ansagen oder Hilfe gibt.“ Auch andere Reisende bemängelten fehlende Informationen.

Größere Turbulenzen gab es in Gelsenkirchen, wo Tausende Fans von einem Helene-Fischer-Konzert kamen, und in Kiel, wo die Kieler Woche stattfand. In Frankfurt am Main berichteten Reisende, dass es in der ganzen Stadt kein Hotelzimmer mehr gebe. Die Bahn gab nach eigenen Angaben Taxi- und Hotelgutscheine aus.

Experten fordern Aufklärung und mehr Sicherheit

Der Verband der privaten Güterbahnen forderte eine genaue Aufarbeitung des Vorfalls. Die Ursache dürfe „nicht allein durch eine ‚Selbstauskunft‘ der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden“, sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger. Es brauche eine bessere Überwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs. Der Verband fordert seit Langem die Gründung eines Bundesamts für Schieneninfrastruktur.

Der Bundesvorsitzende von Pro Bahn, Lukas Iffländer, erklärte, ein derartiger Ausfall könne, wenn es sich nicht um einen groß angelegten Angriff handele, nur zwei Ursachen haben: entweder einen Fehler bei einem Softwareupdate oder einen Ausfall bei zwei zentralen Einheiten, in denen hinterlegt ist, unter welcher Nummer jede Lokomotive per Zugfunk erreichbar ist. Ohne diese Information könnten die Fahrdienstleister nicht mit den Lokführern kommunizieren. Sowohl eine IT-Störung als auch ein Ausfall dieser Einheiten könne durch Sabotage, Technikversagen oder Inkompetenz ausgelöst werden. Iffländer sieht bei der Bahn ein grundsätzliches Problem: Die Technik sei jahrzehntealt und das GSM-R-Netz sehr anfällig für Störungen.

Vergleichbarer Vorfall 2022 – GSMR-System gilt als veraltet

Bereits im Oktober 2022 hatte ein Ausfall des GSM-R-Systems in Norddeutschland für drei Stunden Stillstand gesorgt. Täter hatten damals in Berlin-Karow und Herne Glasfaserkabel durchtrennt, die das Netz mit den zentralen Einheiten verbanden. Der damalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing sprach von einem „Anschlag“, doch die Ermittlungen des Generalbundesanwalts wegen des Verdachts auf „verfassungsfeindliche Sabotage“ verliefen im Sande. Später hieß es, Kupferdiebe hätten unabhängig voneinander die Kabel durchtrennt – eine Erklärung, die in Sicherheitskreisen bis heute auf Skepsis stößt.

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Das veraltete GSM-R-System soll eigentlich durch die Nachfolgetechnologie Future Railway Mobile Communication System (FRMCS) abgelöst werden, doch dessen Einführung verzögert sich. „Ein einzelnes, veraltetes System wie GSMR ist ein Single Point of Failure, dessen Ausfall – egal ob durch physische Sabotage, Cyberangriff oder IT-Ausfälle – bundesweite Folgen hat“, sagte Dennis-Kenji Kipker, Professor für IT-Sicherheit an der Hochschule Bremen. Eine Redundanz müsse jederzeit gewährleistet sein, dies sei ein Grundbaustein der Resilienz kritischer Infrastruktur.

Politiker fordern Konsequenzen

Kritik kam auch von Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer: „Menschen verlassen sich auf die Bahn und wenn es ein Unwetter gibt, da haben wir alle Verständnis, dass es hier Einschränkungen gibt. Aber dass aufgrund einer technischen Störung zwei Stunden lang alle Züge in Deutschland stehen, das darf eigentlich nicht passieren.“ Seines Wissens habe es etwas Vergleichbares noch nie gegeben.

Der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Armand Zorn, betonte: „Der Bahnverkehr ist eine Frage der nationalen Sicherheit. Wenn eine technische Störung den Bahnverkehr in großen Teilen Deutschlands beeinträchtigen kann, dann muss schnell und umfassend gehandelt werden.“ Die Sicherheitsbehörden, die Bahn und das Bundesverkehrsministerium müssten die Ursache umgehend ausfindig machen und die Sicherheit der Systeme verbessern.