Bund genehmigt Übernahme von PSI durch US-Investor Warburg Pincus
Übernahme von PSI durch Warburg Pincus genehmigt

Die Bundesregierung hat dem US-Finanzinvestor Warburg Pincus die Genehmigung zur Übernahme des Berliner Softwareentwicklers PSI erteilt. Das Unternehmen und der Investor teilten am Mittwoch mit, dass alle regulatorischen Freigaben vorliegen, um das geplante öffentliche Übernahmeangebot weiter voranzutreiben.

Public-to-Private-Transaktion in zehn Tagen abgeschlossen

Die Übernahme im Rahmen einer Public-to-Private-Transaktion, bei der PSI von der Börse genommen werden soll, wird den Angaben zufolge in den kommenden zehn Tagen abgewickelt. Warburg Pincus hatte die Übernahme im Oktober 2025 angekündigt und bietet den Aktionären 45 Euro pro Aktie. Der Finanzinvestor hat sich inzwischen 82 Prozent der Anteile gesichert. Derzeit ist das Unternehmen an der Börse rund 720 Millionen Euro wert.

PSI gilt als „SAP der Energiebranche“ und ist europäischer Marktführer bei Netzleitsystemen für Strom, Gas, Wärme, Öl und Wasser. Rund 90 Prozent aller großen und mittleren Strom- und Gasnetzbetreiber in Deutschland nutzen Branchenangaben zufolge PSI-Software.

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Vertiefte Investitionsprüfung nach Außenwirtschaftsverordnung

Als Softwareentwickler für kritische Infrastruktur hatte die Übernahme durch einen ausländischen Investor eine vertiefte Investitionsprüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium nach sich gezogen. Die Überprüfung erfolgte nach der Außenwirtschaftsverordnung (AWV). Dabei wird kontrolliert, ob die Beteiligung eines ausländischen Investors an einem deutschen Unternehmen die Sicherheit oder öffentliche Ordnung Deutschlands gefährden könnte.

PSI galt als Testfall für die Frage, ob die Bundesregierung Übernahmen von deutschen Unternehmen im Bereich kritische Infrastruktur durch Investoren aus den USA angesichts des angespannten transatlantischen Verhältnisses kritischer sieht oder gar verhindert.

Sicherheitsbedenken von Politikern und Verfassungsschutz

Im April hatte das Handelsblatt berichtet, dass Sicherheitspolitiker und Verfassungsschützer Bedenken gegen die Transaktion äußerten. Der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums im Bundestag, Marc Henrichmann (CDU), war überzeugt: Die angestrebte Übernahme von PSI „kann als strategisches Risiko angesehen werden“. Der Verfassungsschutz warnte zudem in einem Hinweis, der Einstieg eines ausländischen Investors in ein einzelnes Unternehmen der kritischen Infrastruktur möge auf den ersten Blick unproblematisch erscheinen. Eine Häufung derartiger Investments könnte jedoch „mittel- bis langfristig allerdings nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden sowie die strategischen Handlungsoptionen der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik schmälern“.

Warburg Pincus räumt Bedenken aus

Warburg Pincus hat diese Bedenken nun offenbar ausgeräumt – zumindest gegenüber dem Wirtschaftsministerium. Üblich bei einem Einstieg eines Finanzinvestors bei einem Unternehmen der kritischen Infrastruktur sind klare Regeln, welche sensiblen Informationen von der Portfoliofirma an die Private-Equity-Gesellschaft weitergegeben werden dürfen – und insbesondere welche Informationen auch die Investoren des Private-Equity-Fonds, die sogenannten Limited Partner, erhalten.

Bei der Genehmigung dürfte auch geholfen haben, dass Warburg Pincus mit René Obermann einen der profiliertesten Manager in Deutschland als Chairman des Europageschäfts beschäftigt. Der frühere Telekom-Chef ist Aufsichtsratschef bei Airbus und zudem designierter Aufsichtsratschef bei SAP – und steht daher nicht im Verdacht, gegen die Sicherheitsinteressen Deutschlands zu handeln.

Weitere Engagements in sensiblen Bereichen geplant

Es dürfte auch nicht das letzte Engagement von Warburg Pincus in sensiblen Bereichen der deutschen Wirtschaft bleiben: Der US-Finanzinvestor hat kürzlich zusammen mit dem Vermögensverwalter der Munich Re, Meag, angekündigt, ein Anlagevehikel für Investitionen in Europas Rüstungsbranche aufzulegen.

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