Bundesregierung halbiert Konjunkturprognose wegen Iran-Krieg - Mini-Wachstum erwartet
Bundesregierung halbiert Prognose wegen Iran-Krieg

Bundesregierung halbiert Konjunkturprognose wegen Iran-Krieg

Die Bundesregierung hat ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr drastisch nach unten korrigiert. Wegen der gravierenden Folgen des Iran-Kriegs erwartet die Regierung nun nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent für das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland. Im Januar war noch von einem Plus von 1,0 Prozent ausgegangen worden.

Geopolitische Schocks bremsen wirtschaftliche Erholung

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte, die für dieses Jahr erwartete wirtschaftliche Erholung werde erneut durch externe geopolitische Schocks ausgebremst. „Der Krieg im Iran treibt die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe“, so Reiche. Diese Entwicklung belaste sowohl private Haushalte als auch die deutsche Wirtschaft durch erhöhte Kosten.

Für das Jahr 2027 prognostiziert die Bundesregierung ein Wachstum von 0,9 Prozent. Allerdings betonte das Wirtschaftsministerium, dass diese Vorhersage mit erheblichen Ungewissheiten verbunden sei und wesentlich von den weiteren Entwicklungen des Nahost-Konflikts abhänge.

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Iran-Krieg löst Energiepreisschock aus

Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar kam es zu massiven Preissprüngen bei Öl und Gas. Grund dafür ist die faktische Blockade der für die weltweite Energieversorgung entscheidenden Straße von Hormus. Dieser Energiepreisschock trifft die deutsche Wirtschaft in einer ohnehin schwierigen Phase.

Bereits Anfang April hatten führende Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognose auf nur noch 0,6 Prozent reduziert. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte vergangene Woche, die Weltwirtschaft drohe erneut aus der Bahn zu geraten, und senkte ebenfalls seine globalen Wachstumsprognosen.

Deutsche Wirtschaft in langer Schwächephase

Deutschland schrammte 2025 nur knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum vorbei, mit einem minimalen BIP-Plus von 0,2 Prozent. Eigentlich sollte 2026 durch staatliche Milliardenausgaben für Infrastrukturmodernisierung und Verteidigung wieder ein merklicher Aufschwung einsetzen.

Doch der Nahost-Konflikt hat laut Deutscher Industrie- und Handelskammer (DIHK) eine regelrechte Kostenwelle in der deutschen Wirtschaft ausgelöst. Eine Umfrage unter Unternehmen ergab, dass 83 Prozent der Firmen bereits negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte verzeichnen.

Standort Deutschland unter Druck

Die Situation am Wirtschaftsstandort Deutschland verschärft sich weiter. Bereits vor dem Nahost-Konflikt war die Lage schwierig, wie eine KPMG-Umfrage unter 400 in Deutschland tätigen Tochterunternehmen ausländischer Firmen zeigt. Die Hauptgründe für die abnehmende Attraktivität Deutschlands als Wirtschaftsstandort sind:

  • Hohe Energiekosten
  • Komplexe Bürokratie
  • Mangelnde Digitalisierung

Inflationsdruck durch Konfliktfolgen

Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr mit einer Inflationsrate von 2,7 Prozent und für 2027 mit 2,8 Prozent. Bereits im März trieben die Folgen des Iran-Kriegs die Verbraucherpreise auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Die Inflationsrate stieg von 1,9 Prozent im Februar auf 2,7 Prozent im März.

Bundesregierung plant Strukturreformen

Die aktuelle Frühjahrsprojektion bildet die Grundlage für die nächste Steuerschätzung Anfang Mai. Ein geringeres Wirtschaftswachstum könnte zu niedrigeren Steuereinnahmen führen als bisher erwartet, was den Spardruck auf die Bundesregierung im Kernhaushalt weiter erhöhen würde.

Am kommenden Mittwoch will das Kabinett Eckwerte für den Haushalt 2027 sowie die Finanzplanung der kommenden Jahre beschließen. Dabei klaffen bereits Milliardenlücken im Etat.

Wirtschaftsministerin Reiche mahnte tiefgreifende Strukturreformen an: „Wir müssen die im internationalen Vergleich viel zu hohe Steuer- und Abgabenlast angehen, die Energiekosten senken und Bürokratie abbauen.“ Ohne solche Reformen seien in den kommenden Jahren nur schwache Wachstumsaussichten zu erwarten.

Die Bundesregierung hat grundlegende Reformen in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Rente angekündigt, mit dem Ziel, Beitragserhöhungen zu begrenzen. Innerhalb der schwarz-roten Koalition könnten diese Vorhaben ebenso zu Konflikten führen wie die Gegenfinanzierung von Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen.

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