Fed hält an stabiler Geldpolitik fest: Iran-Konflikt bestimmt Zinsentscheidung
Die US-Notenbank Federal Reserve hat in ihrer jüngsten Sitzung erneut den Leitzins unverändert gelassen. Mit großer Mehrheit stimmte der zwölfköpfige Zentralbankrat dafür, den Zinssatz in der Bandbreite von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Diese Entscheidung fällt vor dem Hintergrund wachsender Inflationssorgen, die maßgeblich durch den eskalierenden Iran-Konflikt getrieben werden.
Kriegsfolgen belasten Weltwirtschaft und verzögern Lockerungen
Seit Ende Februar, als die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran begannen, hat sich der Konflikt dramatisch auf die globale Wirtschaftslage ausgewirkt. Besonders deutlich zeigt sich dies am Ölmarkt: Der Preis für Rohöl ist auf den höchsten Stand seit Jahren gestiegen, primär weil der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus massiv beeinträchtigt ist. Diese Meerenge südlich des Irans gilt als die bedeutendste Ölhandelsroute weltweit. Zuletzt richteten die Vereinigten Staaten ihr Augenmerk auch auf die für Ölexporte essentielle iranische Insel Charg.
Von den zwölf Mitgliedern des Federal Open Market Committee stimmten elf für die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus. Lediglich Stephen Miran, der Berater von US-Präsident Donald Trump, votierte wie bereits in vorherigen Sitzungen für eine Senkung. Diese isolierte Position unterstreicht die allgemeine Vorsicht der Notenbank angesichts der unsicheren geopolitischen Lage.
Von drei Senkungen zur aktuellen Pause
Im Jahr 2025 hatte die Federal Reserve aus Sorge um den Arbeitsmarkt den Leitzins insgesamt drei Mal um jeweils 25 Basispunkte gesenkt. Bei ihrer ersten Sitzung im Januar 2026 legte sie dann eine Pause ein, die nun fortgesetzt wird. Noch vor Beginn des Iran-Krieges rechneten Marktbeobachter mit zwei weiteren Zinssenkungen im Laufe des Jahres. Ob diese tatsächlich realisiert werden, steht angesichts der aktuellen Entwicklungen mehr denn je in Frage.
Volkswirt Felix Schmidt von der Privatbank Berenberg kommentierte vor der Zinsentscheidung: „Voraussichtlich wird es bis Juni dauern, bevor die Fed das Leitzinsband erneut um 25 Basispunkte auf dann 3,25 bis 3,5 Prozent senken wird.“ Er fügte jedoch eine wichtige Einschränkung hinzu: Dieses Szenario trete nur dann ein, wenn sich die Lage im Iran deutlich entspannt.
Politische Einflussnahme und geldpolitische Realitäten
Bei der Frage nach weiteren Zinssenkungen in diesem Jahr spielt die mögliche Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell nur eine untergeordnete Rolle. Präsident Trump hat Kevin Warsh nominiert, um nach Powells geplantem Abgang im Mai die Führung der Notenbank zu übernehmen. Trump erhofft sich dadurch Einfluss auf den geldpolitischen Kurs der USA nehmen und indirekt Zinslockerungen bewirken zu können. Anfang Februar erklärte der Präsident, er hätte den früheren Fed-Gouverneur nur vorgeschlagen, wenn dieser sich für Zinserhöhungen ausgesprochen hätte. Die Bestätigung durch den Senat steht noch aus.
Erst kürzlich forderte Trump Powell erneut auf, den Leitzins zu lockern. Allerdings entscheidet – anders als von Trump regelmäßig vereinfacht dargestellt – nicht der Fed-Chef allein über den Zins. Stattdessen stimmt der zwölfköpfige Zentralbankrat in regelmäßigen Abständen über den weiteren geldpolitischen Kurs ab.
Inflationsdaten und wirtschaftliche Resilienz
Die wiederholten Forderungen Trumps nach Zinssenkungen dürften vorerst folgenlos bleiben. Eine Lockerung des Zinsniveaus könnte die Inflation zusätzlich anheizen – genau das will die Fed vermeiden. Im Februar stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 2,4 Prozent. Allerdings wurden diese Daten noch vor Kriegsbeginn erhoben. Die Folgen des Iran-Konflikts mit deutlich gestiegenen Ölpreisen werden sich erst in den kommenden Monaten vollständig in den Inflationsdaten niederschlagen.
Zudem zeigt sich die US-Wirtschaft robuster als viele europäische Volkswirtschaften gegenüber hohen Energiepreisen. Die Vereinigten Staaten sind Nettoexporteur von Öl – sie verkaufen mehr Öl ins Ausland als sie selbst importieren – und profitieren daher sogar von der aktuellen Preisentwicklung. Die Fed muss somit weniger Angst vor einem wirtschaftlichen Einbruch haben und kann sich stattdessen stärker auf die Bekämpfung der Inflation konzentrieren.
Volkswirtin Lena Dräger vom Kiel Institut warnte jedoch: „Sollte der Ölpreisschock anhalten oder sich verstärken, wäre selbst eine erneute Straffung der Geldpolitik nicht mehr auszuschließen.“
Prognosen und europäische Perspektiven
Für das laufende Jahr rechnet die Fed mittlerweile mit einer Teuerungsrate von 2,7 Prozent – im Dezember lag die Prognose noch bei 2,4 Prozent. Für 2027 wird eine Inflation von 2,2 Prozent erwartet (bisher: 2,1 Prozent). Gleichzeitig prognostiziert die Notenbank ein Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent in diesem Jahr, gefolgt von 2,3 Prozent im Jahr 2027. Bislang gingen die Experten von 2,3 Prozent in diesem Jahr und 2,0 Prozent im kommenden Jahr aus.
Mit Spannung wird nun auch die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank an diesem Donnerstag erwartet. Dabei dürfte die EZB den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins weiter bei 2,0 Prozent belassen, so wie bei ihrer jüngsten Entscheidung Anfang Februar. EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir brachte zuletzt eine schnellere Zinserhöhung als mögliches Szenario ins Spiel. Der Präsident der slowakischen Notenbank erklärte gegenüber Bloomberg: „Ich würde sagen, eine Reaktion der EZB ist möglicherweise näher als viele denken.“



