Ifo-Index steigt: Deutsche Wirtschaft zeigt erste Belebungssignale trotz Trump-Zöllen
Ifo-Index steigt: Hoffnung auf Aufschwung trotz Zollturbulenzen

Ifo-Index steigt überraschend: Deutsche Wirtschaft zeigt erste Belebung

Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hellt sich deutlich auf und nährt die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung nach Jahren der Krise. Im Februar stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, um 1,0 Punkte auf 88,6 Zähler – stärker als von Experten erwartet. Die Unternehmen zeigten sich zufriedener mit ihren aktuellen Geschäften, auch die Erwartungen besserten sich spürbar.

Erste Signale einer Trendwende

„Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Signale einer Belebung“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der jüngsten Umfrage unter 9.000 Unternehmen. Das Geschäftsklima verbesserte sich in der Industrie, bei Dienstleistern und am Bau deutlich. Lediglich im Einzelhandel gab es leichte Rückschläge zu verzeichnen.

Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg, bestätigt: „Die Zahlen untermauern die Trendwende in der Industrie.“ Die Frühindikatoren zeigen nach oben, was sich auch in den jüngst gestiegenen Industrieaufträgen widerspiegelt. Nachdem die deutsche Wirtschaft 2025 nur ein Mini-Wachstum verzeichnete und in den beiden Vorjahren sogar schrumpfte, prognostiziert die Bundesregierung für 2026 ein Wachstum von einem Prozent.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Exportrekorde trotz Handelskonflikten

Besonders ermutigend: Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie steigerte ihre Exporte 2025 trotz des anhaltenden Zollstreits mit den USA auf den Rekordwert von fast 258 Milliarden Euro. Laut Branchenverband ZVEI halfen dabei ein starkes Europageschäft und sprunghaft wachsende Ausfuhren im Dezember. Auch der Maschinenbauverband VDMA meldete höhere Exporte zum Jahresende 2025, wobei die Jahresbilanz weltweit um 1,8 Prozent gegenüber 2024 zurückging – das Geschäft mit den USA brach wegen der Zölle sogar um acht Prozent ein.

Neue Zollturbulenzen durch Trump

Doch die wirtschaftliche Erholung steht unter einem dunklen Schatten: US-Präsident Donald Trump kündigte nach seiner Niederlage vor dem obersten Gerichtshof neue weltweite Zölle an. Diese sollen vorübergehend zehn und dann fünfzehn Prozent auf Importe in die USA betragen. Der Supreme Court hatte Trump untersagt, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus den 1970er Jahren Zölle gegen den Import von Waren aus vielen Ländern zu verhängen.

Die US-Zollbehörde hat nach der Gerichtsentscheidung die Erhebung von Abgaben teilweise gestoppt. Zölle auf der Grundlage von Notstandsbefugnissen werden seit Dienstag nicht mehr erhoben. Andere Importzölle bleiben jedoch unberührt, etwa solche aus Gründen der nationalen Sicherheit oder wegen unlauterer Handelspraktiken.

Unsicherheit bei Handelsabkommen

Zusätzlich gibt es Zweifel, ob der Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington vom vergangenen Sommer überhaupt umgesetzt wird. Das Abkommen, das für die meisten EU-Importe in die USA einen Zoll von maximal fünfzehn Prozent vorsieht, muss noch vom EU-Parlament angenommen werden. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses, forderte vor einer Sondersitzung des Verhandlungsteams im EU-Parlament eine Aussetzung des Deals.

Expertenmeinungen zur Konjunkturlage

Christoph Swonke, Konjunkturanalyst bei der DZ Bank, schrieb: „Deutschland klettert aus dem Konjunkturtal.“ Pünktlich zu den milderen Temperaturen laufe sich auch Deutschlands Wirtschaft warm – „zumindest in Mini-Schritten“. Der Aufwärtstrend liege vor allem an den Fiskalpaketen für Infrastruktur und Verteidigung.

Robin Winkler, Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sieht Grund für mehr Optimismus: „Wir sehen immer deutlichere Anzeichen, dass die Konjunktur ordentlich Schwung aufnimmt.“

Doch nicht alle Experten teilen diesen Optimismus. Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt, warnt: „Das Ausbleiben der notwendigen breiten Wirtschaftsreformen belastet die Stimmung. Rüstungsaufträge allein machen noch keinen Aufschwung.“ Das Ifo-Geschäftsklima zeige anders als in der ersten Hälfte 2025 noch nicht klar nach oben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank, relativiert die Bedeutung der Zollkapriolen: „Für die Unternehmen ist jetzt Planungssicherheit wichtiger, als ob es mit den Zöllen noch einmal etwas herauf oder herunter geht.“ Viele Experten sehen die größten Baustellen für die deutsche Wirtschaft ohnehin im Inland.