Berlin – Der Iran-Krieg treibt nicht nur die Öl- und Benzinpreise in die Höhe, sondern könnte nun auch die Lebensmittelpreise massiv verteuern. Grund dafür ist die Blockade der Straße von Hormus, über die ein Drittel der weltweiten Düngemittelproduktion transportiert wird. EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnt sogar vor einer möglichen Rationierung.
Experten prognostizieren Preissprünge bei Grundnahrungsmitteln
Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein erklärt gegenüber BILD: „Die Bauern müssen die gestiegenen Kosten an die Verbraucher weitergeben. Es droht eine neue Inflationswelle von über 10 Prozent, vergleichbar mit der Corona-Krise.“ Derzeit liegt die Inflationsrate bei 2,7 Prozent. Besonders betroffen sind frische Lebensmittel.
Milch, Brot und Fleisch werden teurer
Heinemann macht konkrete Preisprognosen: Milch, die derzeit ab etwa 85 Cent erhältlich ist, könnte bis Jahresende auf mindestens 1 Euro steigen – ein Plus von 18 Prozent. Ein Kilo Joghurt würde von rund 2 Euro auf etwa 2,35 Euro klettern. Mischbrot, das aktuell zwischen 3,50 und 4,50 Euro kostet, könnte auf über 5 Euro anziehen. Auch frisches Obst und Gemüse dürften mindestens 10 Prozent teurer werden. „Weil der Düngerpreis den Futteranbau für Vieh drastisch verteuert, steigen auch die Fleischpreise“, so Heinemann. Hier sei ebenfalls ein Plus von 10 Prozent möglich.
US-Bauern berichten von 40 Prozent höheren Düngerpreisen
Bereits jetzt berichten US-amerikanische Bauern von bis zu 40 Prozent höheren Düngerkosten. Frank Gemmer, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar (IVA), sagt gegenüber BILD: „Je länger der Krieg andauert, desto höher wird der Preisdruck.“ Auch Handelsexpertin Samina Sultan vom IW Köln sieht einen „neuen Inflationsschub“. Weltweit drohten Probleme: „In Ländern wie Pakistan, Indien, Somalia und Kenia gerät die Ernährungssicherheit in Gefahr“, warnt Sultan. Die Folgen könnten Ernteausfälle und im schlimmsten Fall Hunger sein.
Experte spricht von Schock für die weltweite Ernährung
Gunter Rieck Moncayo von der Konrad-Adenauer-Stiftung bezeichnet die Entwicklung als „Schock“. „Die Straße von Hormus ist ein zentraler Knoten für die weltweite Ernährung.“ Die Blockade habe weitreichende Konsequenzen für die globale Nahrungsmittelversorgung. Heinemann fasst zusammen: „Der Einkauf im Supermarkt wird deutlich teurer. So sicher wie das Amen in der Kirche!“



