Führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Frühjahrsprognose für das deutsche Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 0,3 Prozent angehoben, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtet. Im vergangenen Herbst war unter dem Eindruck der Energiekrise noch ein Minus von 0,4 Prozent veranschlagt worden. Ein Grund für die optimistischere Einschätzung sind nachlassende Lieferkettenprobleme.
Für das erste Quartal 2023 erwarten die Experten ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent, nach einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent im Schlussquartal 2022. Damit dürfte die deutsche Wirtschaft knapp an einer technischen Rezession vorbeischrammen, die erst bei zwei aufeinanderfolgenden Minusquartalen eintritt.
Für das kommende Jahr 2024 prognostizieren die Institute ein Wachstum von 1,5 Prozent, nach zuvor erwarteten 1,9 Prozent. Grund für die leichte Absenkung ist unter anderem die nachlassende Inflation. Die Teuerungsrate soll 2024 auf 2,4 Prozent sinken, nach 6,0 Prozent im laufenden Jahr. 2022 hatte die Inflationsrate noch bei durchschnittlich 6,9 Prozent gelegen, im März 2023 lag sie mit 7,4 Prozent deutlich darüber.
Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose wird am Mittwoch offiziell in Berlin vorgestellt. Erarbeitet wird sie vom RWI in Essen, Ifo-Institut in München, IfW in Kiel und IWH in Halle. Das Berliner DIW pausiert derzeit wegen Umbaus der Konjunkturforschung. Die Prognose dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigenen Projektionen, die wiederum Grundlage für die Steuerschätzung sind.
Die Bundesregierung geht in ihrem Jahreswirtschaftsbericht vom Januar für 2023 von einem Wachstum von 0,2 Prozent aus. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will im Frühjahr eine aktualisierte Prognose vorlegen. Auch die sogenannten Wirtschaftsweisen hatten ihre Prognose zuletzt auf plus 0,2 Prozent angehoben. Die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, erklärte: „Der inflationsbedingte Kaufkraftverlust, die schlechteren Finanzierungsbedingungen und die sich nur langsam erholende Auslandsnachfrage verhindern einen stärkeren Aufschwung in diesem und im kommenden Jahr.“



