Konsumklima steigt leicht, bleibt aber auf niedrigem Niveau
Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich im Juni leicht verbessert. Das Konsumklima-Barometer für Juli stieg um 0,5 Punkte auf minus 29,2 Zähler, wie die GfK-Marktforscher und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am Donnerstag mitteilten. Grund für die leichte Erholung sind die Friedenssignale im Nahost-Konflikt, die den Verbrauchern wieder etwas mehr Zuversicht geben.
„Die Verbraucherstimmung stabilisiert sich auf niedrigem Niveau“, erklärte NIM-Experte Rolf Bürkl. Die Kriegsgegner USA und Iran hatten jüngst ein Rahmenabkommen geschlossen und die Zeichen auf Frieden gestellt. Dennoch drücken die Folgen des Konflikts weiter auf die Laune der Verbraucher, die an der Tankstelle und im Supermarkt mit stark gestiegenen Preisen konfrontiert sind.
Einkommenserwartungen und Anschaffungsneigung bleiben schwach
Die Einkommenserwartungen der Konsumenten legten im Juni nur leicht zu. Der Indikator dazu stieg um 0,8 Punkte auf minus 12,2 Zähler. Insgesamt blicken die Bürger damit weiter weniger optimistisch auf ihre künftige finanzielle Lage als vor Beginn des Ende Februar ausgebrochenen Iran-Krieges. Überdies ließ die Bereitschaft zu größeren Einkäufen, etwa von Autos oder Unterhaltungselektronik, nach. Das Barometer sank um 0,2 Punkte auf minus 13,4 Zähler.
„Der Zeitpunkt, größere Anschaffungen zu tätigen, ist aus Verbrauchersicht weiter eher ungünstig“, konstatierte Konsumforscher Bürkl. Die hohen Energiepreise und die Debatte um die Rentenreform verunsichern die Verbraucher zusätzlich. Chefvolkswirt Alexander Krüger von Abn Amro Deutschland kommentierte: „Draußen Hitze, Kälte beim Konsumklima – von einer Besserung der Konsumlaune kann keine Rede sein. Sie bleibt deutlich schlechter als vor dem Ausbruch des Iran-Krieges.“
Konjunkturerwartungen verbessern sich, Pessimismus lässt nach
Die Konjunkturerwartung der Bürger verbesserte sich unterdessen erneut. Der Indikator legte um 2,5 Zähler auf minus 8,7 Punkte zu. Zwar rechne die Mehrheit der Verbraucher wie zuletzt damit, dass sich die wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten verschlechtere. Aber der Pessimismus scheine nachzulassen, teilten die Nürnberger Forscher mit.
„Ein Aufwind in Richtung Vorkriegsniveau zeichnet sich daher noch nicht ab, auch wenn die Friedensverhandlungen und der Rückgang der Rohölpreise die Inflationssorgen der Verbraucher mildern und die Konjunkturerwartungen wieder etwas aufhellen“, erklärte Bürkl.
Preiserwartungen sinken – Tankrabatt als Stimmungsaufheller
Auch bei den Preiserwartungen zeigte sich eine positive Entwicklung. Sie sanken im Juni zum zweiten Mal in Folge. Die Mehrheit blickt hier weniger pessimistisch auf die kommenden zwölf Monate. Zum Vormonat fiel der Indikator um 2,5 auf minus 2,9 Zähler. Dieser Rückgang dürfte laut Experte Bürkl noch auf den Tankrabatt zurückzuführen sein, der zum Ende des Monats ausläuft.
Die Aussichten für den privaten Verbrauch bleiben nach Einschätzung von Analyst Krüger mau: „Es ist jedenfalls nicht erkennbar, warum Verbraucher bald mehr Geld ausgeben sollten.“ Auch in Frankreich hellte sich die Konsumlaune etwas auf. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen kletterte im Juni einen Tick stärker als erwartet auf 84 Punkte, nach 82 Zählern im Mai, wie das nationale Statistikamt Insee bekanntgab.



