Konsumklima auf Tiefstand: Deutsche sparen wie seit 2008 nicht mehr
Konsumklima: Deutsche sparen wie seit 2008 nicht mehr

Konsumklima auf Tiefstand: Deutsche sparen wie seit 2008 nicht mehr

Die Stimmung bei den Unternehmen in Deutschland zeigt erste vorsichtige Aufhellungen, doch bei den Verbrauchern ist von einer verbesserten Kauflaune weit und breit nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Sparneigung der Deutschen hat sogar noch einmal deutlich zugelegt und erreicht nun den höchsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise des Jahres 2008.

Konsumklima-Barometer fällt weiter

Das für den Monat März berechnete Konsumklima-Barometer sank um 0,5 Punkte auf einen Wert von minus 24,7 Zähler. Dies teilten die GfK-Marktforscher gemeinsam mit dem Nürnberger Institut für Marktentscheidungen (NIM) mit. „Es zeigt sich weiter die Tendenz, dass steigende Einkommen aus Vorsichtsmotiven lieber gespart als konsumiert werden“, erläutert NIM-Experte Rolf Bürkl die aktuelle Entwicklung. Selbst wenn sich die Wirtschaft wieder leicht zu beleben scheine, blieben die Konsumenten derzeit noch ausgesprochen skeptisch.

Sparneigung auf Rekordniveau

Die Deutschen legen ihr Geld gegenwärtig lieber auf die hohe Kante: Der Indikator für die Sparneigung kletterte im Februar auf den höchsten Wert seit 2008. Er stieg um einen Punkt auf 18,9 und liegt damit satte 9,5 Zähler über dem Vorjahreswert. Im Vormonat Januar hatte sich das Konsumklima noch minimal aufgehellt, doch die von vielen Wirtschaftsexperten erwartete weitere Besserung blieb nun aus.

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Gründe für die anhaltende Zurückhaltung

Tiefergehende Analysen der Konsumforscher offenbaren, dass die überwiegende Mehrheit der Verbraucher mehrere maßgebliche Faktoren für ihre Zurückhaltung nennt:

  • Hohe oder weiter steigende Preise
  • Wirtschaftliche Unsicherheiten
  • Politische Unsicherheiten

Diese Einschätzungen spiegeln sich auch in wichtigen Rahmendaten wider: Die Inflationsrate ist im Januar wieder auf 2,1 Prozent gestiegen, und die Preiserwartungen der Verbraucher sind im Februar nicht mehr gesunken. Hinzu kommen laut den Forschern langandauernde Konflikte wie der seit über vier Jahren tobende Ukrainekrieg sowie die finanziellen Belastungen im Sozialsystem, die die allgemeine Unsicherheit in der Bevölkerung weiter verstärken.

Vorsicht bei größeren Anschaffungen

Besonders deutlich wird die Zurückhaltung bei der Anschaffungsneigung für langlebige Gebrauchsgüter. Dieser Indikator, der auf der Frage basiert, ob Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen, fiel im Februar wieder. Gemeint sind dabei typischerweise Produkte wie Autos, Computer oder Möbel, die ein höheres Budget erfordern. Und dies, obwohl die Einkommenserwartungen im Februar bereits den zweiten Monat in Folge im Plus lagen. Die rund 2000 befragten Haushalte schätzen ihre künftige Finanzlage jedoch nur marginal besser ein als zuletzt.

Verhalten optimistischer Blick in die Zukunft

Die Konjunkturerwartungen der Verbraucher für die kommenden zwölf Monate sind im Februar sogar wieder leicht gesunken. Dennoch blicken die Verbraucher laut GfK trotz dieses Rückgangs verhalten optimistisch in die Zukunft, da das entsprechende Barometer weiter im positiven Bereich bei 4,3 Punkten verharrt.

Staatliche Ausgaben stützen Wirtschaft

Während die Verbraucher zurückhaltend agieren, gibt es auf Unternehmensseite erste vorsichtige Signale. Das Ifo-Institut hatte zuletzt „erste Signale einer Belebung“ der deutschen Wirtschaft ausgemacht. Die deutsche Wirtschaftsleistung hat im Schlussquartal des Jahres 2025 um 0,3 Prozent zugelegt – vor allem getrieben durch staatliche Ausgaben. Die Konsumausgaben des Staates legten laut Statistischem Bundesamt im vierten Quartal um 1,1 Prozent zu. Immerhin stiegen auch die Ausgaben privater Haushalte um 0,5 Prozent und trugen so ebenfalls zum Wachstum bei.

Insgesamt zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Während der Staat die Konjunktur stützt und Unternehmen erste Hoffnungsschimmer sehen, bleiben die deutschen Verbraucher in einer Sparhaltung, wie sie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr beobachtet wurde. Die anhaltenden Unsicherheiten und Preissteigerungen lassen sie ihr Geld lieber auf der hohen Kante liegen, anstatt es für Konsum auszugeben.

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