Optimismus trotz höherer Inflation: Fünf Anzeichen für den Aufschwung
Optimismus trotz Inflation: Fünf Anzeichen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zum Jahresauftakt ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: 2026 soll zu einem „Wachstums- und Aufbruchsjahr“ werden. Viele wirtschaftliche Frühindikatoren schienen ihm zunächst recht zu geben. Doch nur wenige Wochen später brach sein amerikanischer Amtskollege den Iran-Krieg vom Zaun und machte die zarten Hoffnungen auf Wachstum wieder zunichte.

Der Energiepreisschock infolge des Konflikts hat die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft binnen kürzester Zeit fundamental verändert. Öl und Gas verteuerten sich drastisch, was insbesondere energieintensive Industrien unter Druck setzt. Die Inflation, die zuletzt auf dem Rückzug war, könnte wieder anziehen. Für viele Unternehmen bedeutet das eine doppelte Belastung: steigende Kosten und sinkende Nachfrage.

Die deutsche Volkswirtschaft hängt stark an günstigen Rohstoffen. Höhere Energiepreise verteuern nicht nur die Produktion, sondern schmälern auch die Kaufkraft der Verbraucher. Der private Konsum, eine wichtige Stütze der Konjunktur, droht zu schwächeln. Zudem verunsichern die geopolitischen Risiken die Investitionsbereitschaft der Firmen. Wer nicht weiß, wie sich der Krieg weiterentwickelt, hält sich mit Ausgaben zurück.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Vom Aufbruch zur Ernüchterung

Die Stimmung in der Wirtschaft hatte sich zu Beginn des Jahres spürbar aufgehellt. Auftragsbücher füllten sich, und die Erwartungen vieler Unternehmen waren so gut wie lange nicht. Genau diese Zuversicht hat der Iran-Krieg nun jäh ausgebremst. Doch trotz der tristen Aussichten mehren sich Stimmen, die davor warnen, in eine vollständige Schwarzmalerei zu verfallen. Die Analyse von Felix Kiefer nennt fünf Anzeichen, die für einen verhaltenen Optimismus sprechen.

Fünf Anzeichen, die Hoffnung machen

Das erste Anzeichen ist die robuste Auftragslage der Industrie. Viele Unternehmen verfügen noch über Auftragspolster aus der Zeit vor dem Krieg. Diese Bestände müssen abgearbeitet werden, was die Produktion zeitlich stützen dürfte. Auch wenn die Zahl der Neueingänge zurückgeht, hält die bestehende Nachfrage die Fabriken vorerst am Laufen.

Ein zweites Signal kommt vom Arbeitsmarkt. Die Unternehmen horten Personal, weil sie einen Fachkräftemangel fürchten. Selbst in konjunkturell schwierigen Phasen ist daher nicht mit einem schnellen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Sollte sich die Lage beruhigen, kann die Wirtschaft auf dieser Basis rasch wieder an Fahrt aufnehmen.

Drittens könnte die Inflation schneller nachlassen als befürchtet. Zwar treiben die Energiepreise die Teuerung zunächst in die Höhe, doch dieser Effekt ist möglicherweise vorübergehend. Wenn sich die Lage im Nahen Osten stabilisiert, dürften die Rohstoffpreise wieder sinken. Eine niedrigere Inflation stärkt die Kaufkraft und belebt die Binnennachfrage.

Ein viertes Anzeichen ist die gestiegene Robustheit der Lieferketten. Unternehmen haben ihre Beschaffungsstrategien nach den Erfahrungen der letzten Krisen diversifiziert. Dadurch sind sie weniger verwundbar gegenüber geopolitischen Schocks. Neue Engpässe sind zwar möglich, aber Produktionsausfälle dürften nicht so abrupt und gravierend ausfallen wie in der Vergangenheit.

Ein fünftes Signal senden die Finanzmärkte. Trotz des Krieges haben sich die Aktienkurse erstaunlich stabil gehalten. Das deutet darauf hin, dass Anleger die wirtschaftlichen Folgen als beherrschbar einstufen. Zudem hat die Europäische Zentralbank angedeutet, geldpolitisch flexibel reagieren zu wollen, falls die Konjunktur weiter an Schwung verliert.

Ein schmaler Grat zwischen Hoffnung und Risiko

Alle diese Punkte sind jedoch mit Unsicherheit behaftet. Der Verlauf des Irankriegs bleibt unberechenbar. Eine erneute Eskalation könnte die Ölpreise weiter in die Höhe treiben und sämtliche positiven Signale zunichtemachen. Auch die Notenbank sitzt in einer Zwickmühle: Sie muss die Inflation bekämpfen, darf aber das Wachstum nicht abwürgen.

Die deutsche Wirtschaft steht damit an einem Scheideweg. Einerseits sind die fundamentalen Daten besser, als es die aktuelle Stimmung nahelegt. Andererseits ist die Abhängigkeit von Energieimporten ein strukturelles Risiko, das nicht allein durch Konjunkturprogramme zu lösen ist.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Für Kanzler Merz bedeutet dies: Seine Ankündigung eines „Wachstums- und Aufbruchsjahres“ bleibt gültig, doch die Rahmenbedingungen haben sich deutlich verschlechtert. Ob die fünf Anzeichen ausreichen, um das Blatt zu wenden, wird sich in den kommenden Monaten weisen. Entscheidend wird sein, ob der Konflikt im Nahen Osten eingedämmt werden kann und ob die Unternehmen trotz der hohen Kosten ihre Investitionsbereitschaft bewahren.

Die Zuversicht, die zu Jahresbeginn aufkeimte, ist gedämpft – aber nicht erloschen. Das ist vielleicht das wichtigste Signal in diesen unsicheren Zeiten.