Asiens Reisbauern droht Düngermangel durch Irankrieg und China-Exportstopp
Düngerkrise in Asien: Reisbauern in Not

Folgen des Irankriegs: Asiens Reisbauern droht der Dünger auszugehen

In weiten Teilen Asiens zeichnet sich eine ernste Reiskrise ab. Aufgrund von Düngerknappheit setzen immer mehr Bauern die Aussaat aus. Verantwortlich dafür sind der Krieg gegen Iran und ein Exportstopp aus China, wie die BBC berichtet.

Ernährungsunsicherheit könnte drastisch zunehmen

Seit dem amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran am 28. Februar ist die Straße von Hormus faktisch blockiert. Durch diese Meerenge wird etwa ein Drittel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Düngers gehandelt. Im März verhängte China zudem ein Ausfuhrverbot für mehrere Düngersorten. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) rechnet damit, dass die Folgen des Nahostkonflikts im Jahr 2026 weltweit 45 Millionen Menschen zusätzlich in akuten Hunger stürzen könnten. In Asien und im Pazifikraum dürfte die Ernährungsunsicherheit Schätzungen des WFP zufolge um 24 Prozent steigen – der stärkste relative Anstieg aller Weltregionen.

Südostasien besonders betroffen

Besonders hart trifft es die Länder Südostasiens. Vietnam, einer der größten Reisexporteure der Welt, bezog im ersten Quartal 2026 mehr als 480.000 Tonnen Dünger aus China – über die Hälfte seiner gesamten Importe. Die Philippinen sind zu 75 Prozent von chinesischem Dünger abhängig und beziehen gleichzeitig rund 80 Prozent ihrer Reisimporte aus Vietnam. Thailand wiederum importierte 2024 etwa ein Fünftel seines Düngers aus China und 32 Prozent aus der Golfregion. Beide Lieferkorridore sind nun gleichzeitig unterbrochen.

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Innerhalb weniger Wochen nach Kriegsbeginn stieg der Preis für Harnstoff, den weltweit am häufigsten verwendeten Stickstoffdünger, um mehr als 40 Prozent. Ein Sack Dünger kostete in Thailand vor gut einem Monat noch 800 bis 900 Baht, inzwischen sind es über 1100 Baht, teilweise sogar 1200 Baht. Viele Bauern stellen daraufhin die Aussaat ein. „Ich habe beschlossen, es nicht zu tun“, sagte der 60-jährige Reisbauer Suchart Piamsomboon aus der Provinz Chachoengsao der BBC. „Mit der Landwirtschaft mache ich nur Verluste. Ich arbeite lieber als Tagelöhner und verdiene 100 bis 200 Baht am Tag, nur um über die Runden zu kommen.“

China drosselt Düngerexporte drastisch

China war im vergangenen Jahr für 25 Prozent der globalen Düngerproduktion verantwortlich und exportierte Dünger im Wert von über 13 Milliarden Dollar. Doch Peking springt nicht ein. Das Ausfuhrverbot vom März kommt zu bereits bestehenden Beschränkungen hinzu, die seit 2021 schrittweise verschärft wurden. Laut einer Reuters-Auswertung chinesischer Zolldaten sind inzwischen zwischen 50 und 80 Prozent der Düngerexporte betroffen. Ein Exporteur aus der Provinz Shandong, der anonym bleiben möchte, berichtet von Verträgen mit „mindestens fünf oder sechs Ländern“, die nicht mehr beliefert werden dürften: „Wir hatten die Aufträge bereits erhalten. Die Kunden warteten. Aber jetzt wurde uns gesagt, wir dürfen nicht verschiffen.“

Hintergrund ist ein Gesetz zur nationalen Ernährungssicherheit von 2023, das chinesische Lokalregierungen verpflichtet, feste Produktionsziele in ihre Wirtschaftspläne aufzunehmen. „In China ist Ernährungssicherheit eine zentrale politische Frage, und genug Nahrung für die heimischen Körbe sicherzustellen, ist nichts, wo die Regierung Kompromisse machen will“, sagt Paul Teng, Senior Fellow für Ernährungssicherheit in Singapur, gegenüber der BBC. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Chinas Zugang zu Flüssigerdgas, dem entscheidenden Rohstoff für Stickstoffdünger, durch die Schließung der Straße von Hormus gefährdet ist. Die einzige Düngersorte, die China noch in nennenswerten Mengen ausführt, ist Ammoniumsulfat – ein minderwertiges Industrienebenprodukt, das für den Reisanbau kaum geeignet ist.

„Der kombinierte Effekt von Chinas Exportstopp und der Schließung der Straße von Hormus wird den globalen Düngermarkt und die Ernährungssicherheit unweigerlich erschüttern“, warnt Joseph Glauber vom International Food Policy Research Institute in Washington. Sichtbar werde dies jedoch erst zum Jahresende, wenn die Ernten kleiner ausfielen als erwartet – oder ganz ausblieben.

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Die Verzweiflung unter den Bauern wächst. Pratheuang Piamsomboon, eine 48-jährige Reisbäuerin aus dem Bezirk Nong Chok in Bangkok, sagt: „Manchmal wünschte ich mir, die Reisbauern im ganzen Land würden ganz aufhören zu pflanzen, damit die Regierung keinen Reis mehr zu essen hätte und verstünde, wie wir uns fühlen. Die Härte ist unmöglich in Worte zu fassen.“