Vom Stadtleben zur Landwirtschaft: Zwei Familien setzen auf nachhaltige Marktgärtnerei in Klein Salitz
Während draußen noch frostige Temperaturen herrschen, sprießen in den beheizten Gewächshäusern von Klein Salitz bereits die ersten zarten Pflänzchen. Porree, Frühlingszwiebeln, Spinat, Pak Choi und Salat gedeihen hier unter der liebevollen Pflege von Aron Würfel und Jonas Mucha, die im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihren Partnerinnen den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit wagten. Ihre Marktgärtnerei „gemüs und munter“ hat sich zu einem Vorzeigeprojekt für regionalen Gemüseanbau entwickelt.
Ein Traum wird Wirklichkeit: Von Berlin und Lübeck aufs Land
Für ihren Traum von einer eigenen Marktgärtnerei ließen die beiden Familien ihr altes Leben in Berlin und Lübeck zurück. Was für Außenstehende wie ein gewagtes Abenteuer erscheinen mag, war für die Gründer ein folgerichtiger Schritt. Jonas Mucha, der zuvor im Bio-Einzelhandel tätig war, beschreibt es als natürlichen Prozess: „Ich habe gemerkt, dass der Einzelhandel nicht mehr das Richtige ist, also musste etwas Neues her.“ Gemeinsam verwandelten sie eine Grünfläche in fruchtbares Ackerland, investierten in große Gewächshäuser und begannen auf einem halben Hektar mit dem Anbau von über 50 verschiedenen Gemüse- und Kräutersorten – alles in reiner Handarbeit.
Herausforderungen meistern und aus Pannen lernen
Die erste Saison war geprägt von Energie, Aufregung, aber auch von unerwarteten Hürden. Nur zwei Wochen nach dem Kauf gab der Lieferwagen, der für den Transport der Gemüseboxen zu Abholstationen in Lübeck und Zarrentin gedacht war, seinen Geist auf. Aron Würfel erinnert sich: „So etwas knallt dir dann halt direkt in die Anfangskalkulation rein. Und vor allen Dingen hatten wir dann einen Monat keinen Lieferwagen.“ Doch die Solidarität der ländlichen Gemeinschaft zeigte sich: Nachbarn sprangen ein und liehen ihre Fahrzeuge aus. „Das ist auf dem Land echt cool, weil man direkt jemanden findet, der einen unterstützt“, so Würfel.
Vielfalt und Bildung: Mehr als nur Gemüselieferung
Die Marktgärtnerei setzt auf eine Mischung aus Klassikern und exotischen Sorten. Während Möhren, Tomaten, Paprika und Gurken den Hauptteil ausmachen, experimentieren die Gärtner auch mit bunten Radieschen, besonderen Fleischtomaten und seltenen Kürbisarten. Jede Gemüsebox wird von Hintergrundinformationen und Rezepten begleitet. „Damit versuchen wir nicht nur, Essen zu liefern, sondern auch Ernährungsbildung, Umweltbewusstsein und ein Gefühl für Saisonalität zu schaffen“, erklärt Aron Würfel. Im vergangenen Jahr versorgten sie rund 85 Abonnenten von Mai bis November wöchentlich mit frischem Grün.
Zukunftspläne: Hofverkauf, Bodengesundheit und Events
Für die kommende Saison haben die Gärtner ambitionierte Pläne. Sie möchten den Hofverkauf ausbauen, indem sie einen Kühlschrank und eine Verkaufsstelle installieren, um Überschüsse am Wochenende anzubieten. Gleichzeitig setzen sie auf nachhaltige Landwirtschaft: „Wir fangen dieses Jahr das erste Mal an, Gründüngung anzubauen, also Pflanzen, die nur für die Bodengesundheit da sind“, sagt Jonas Mucha. Dies soll Bodenverdichtung entgegenwirken und einen eigenen Kreislauf etablieren, um weniger Kompost zukaufen zu müssen. Veranstaltungen wie ein Tag des offenen Hofes am 18. April gemeinsam mit der Schäferei am Schaalsee sollen die Gemeinschaft stärken.
Gemeinsamkeit als Erfolgsgeheimnis
Trotz gelegentlicher Ausfälle bei Kulturen wie Gurken oder Salat bleiben die Gärtner optimistisch. Die breite Palette an angebautem Gemüse ermöglicht es, Verluste zu kompensieren. Jonas Mucha betont die Vorteile der Teamarbeit: „Dass die Last auf mehreren Schultern verteilt ist, ist total schön.“ Langfristig peilen sie für das dritte Jahr etwa 120 bis 130 Abonnements an – die maximale Grenze, die sie zu zweit bewältigen können. Aron Würfel fasst zusammen: „Reich werden wir damit nicht, aber das ist auch nicht das Ziel. Wir wollen von der Marktgärtnerei leben können und Freude bei der Arbeit haben.“



