Gartensaison startet: DDR-Tomatensorten wie Harzfeuer weiterhin beliebt
Gartensaison startet: DDR-Tomatensorten weiterhin beliebt

Die Gartensaison in Vorpommern ist nun richtig gestartet. Im Jarmener Gartenbaubetrieb Vorpahl sind junge Gemüsepflanzen und Kräuter derzeit besonders gefragt. Das Unternehmen zieht den Großteil der Pflanzen selbst vor Ort auf – meist vom Samen an. Gärtnermeister Frank Vorpahl berichtet von einer enormen Vielfalt, insbesondere bei Tomaten: „Gerade bei den Tomatenpflanzen ist das Sortiment mächtig aufgestockt, da finden die Leute hier bei uns fast 50 Sorten.“ Das meiste stammt aus den eigenen Gewächshäusern.

Familienbetrieb mit DDR-Wurzeln

Der Familienbetrieb an der Anklamer Straße in Jarmen entstand nach der Wende aus einer DDR-Genossenschaft. Heute ist er einer der letzten in Nordostdeutschland, der Blumen und Gemüse noch im großen Stil selbst aufzieht – angefangen beim Samenkorn über den Sämling bis zur verkaufsfertigen Jungpflanze. Dies erfordert viel Handarbeit und mehrmaliges Umtopfen. Um dem Personalmangel zu begegnen, setzt der Betrieb ein spezielles Sägerät ein, das exakt ein Korn in jede der 48 Zellen einer Saatschale platziert. „Wir haben damit fast hundert Prozent Auflauferfolg“, freut sich Vorpahl. Zudem entfällt das mühselige Pikieren.

Gewächshäuser für optimale Aufzucht

Der Betrieb verfügt über zahlreiche Gewächshäuser mit punktgenau steuerbaren Heizungs- und Lüftungssystemen. So können die Kulturen an die hiesigen Klimaverhältnisse angepasst und rechtzeitig für den Verkauf abgehärtet werden. Im Mai beginnt trotz Wetterrisiken die Beet- und Balkonpflanzen-Saison. In Vorpommern gehört Gärtnern für viele wieder fest zum Leben. Die ältere Generation hat die Selbstversorgung aus DDR-Zeiten nie ganz aufgegeben, und viele Jüngere entdecken das Hobby neu – befördert durch bewusste Ernährung und die Inflation.

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Bewährte Sorten und neue Trends

„Beim Salat ist Kopfsalat immer noch die Nummer eins, aber die Leute wollen verstärkt Eisbergsalat und Pflücksalat“, erklärt Vorpahl. Hinzu kommen Paprika, Kohlrabi und Kräuter. Der Betrieb zieht sogar eigenes Basilikum und winterharten Rosmarin. Bei Gurken verwendet Vorpahl noch DDR-Sorten wie „Ikarus“ und „Harzfeuer“, die nach wie vor gut funktionieren. Viele Kunden schwören auf diese roten Traditionalisten, obwohl es optimierte Variationen gibt. Die Vielfalt bei Tomaten ist enorm: von gelben über orange, braune bis grüne Früchte, von kirschgroß bis über ein Kilogramm schwer.

Penibler Fahrplan und Marktpräsenz

Die Aufzucht folgt einem monatelangen Fahrplan, der im Dezember beginnt. Alle paar Wochen werden neue „Jahrgänge“ ausgesät, um die Lücken zu füllen. Das Unternehmen verkauft am Stammsitz in Jarmen, in Demmin und auf Märkten in der Region, unter anderem viermal wöchentlich in Greifswald. Beim Auspflanzen ins Freiland warnt Vorpahl vor zu großem Enthusiasmus: Die Eisheiligen bis Mitte Mai können Frost bringen. Selbst ohne Frost können Temperaturstürze einen Wachstumsschock auslösen, der die Pflanzen wochenlang zurückwirft. Geduld zahlt sich also aus.

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