Iran-Krieg beeinflusst Schifffahrt: Kreuzfahrer fest, Frachter auf Umwegen
Iran-Krieg: Folgen für Schifffahrt und Häfen

Maritime Wirtschaft im Norden Deutschlands spürt Auswirkungen des Iran-Konflikts

Der anhaltende Krieg im Iran hat weltweite Konsequenzen, die auch die norddeutsche Schifffahrts- und Logistikbranche erreichen. André Grobien, Vorsitzender der Industrie- und Handelskammern Nord, betont, dass die Störungen im Schiffsverkehr zu steigenden Transportkosten und verlängerten Lieferzeiten führen. „Für die stark exportorientierte und logistikgeprägte Wirtschaft im Norden ist das unmittelbar spürbar“, erklärt er.

Kreuzfahrtbranche mit erheblichen Einschränkungen

Deutsche Kreuzfahrtreedereien sehen sich mit erheblichen Einschränkungen konfrontiert. Schiffe von Tui Cruises und MSC Cruises können derzeit Häfen in der Golfregion nicht verlassen. Zwei Tui-Schiffe mit jeweils rund 2.500 Passagierplätzen liegen in Abu Dhabi und Doha fest. Ein MSC-Schiff für bis zu 6.300 Urlauber befindet sich im Hafen von Dubai. „Wir befolgen die Anweisungen der regionalen US-Militärbehörden, das Schiff im Hafen von Dubai zu belassen“, teilt eine Sprecherin von MSC Cruises mit.

Deutschlands größter Kreuzfahrtanbieter Aida Cruises hat hingegen keine Schiffe in der Region. Die Reederei hatte bereits im vergangenen Sommer entschieden, aufgrund der angespannten Lage keine Reisen in der Golfregion anzubieten.

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Internationaler Seehandel massiv gestört

Der internationale Seehandel leidet unter erheblichen Störungen. Die strategisch wichtige Straße von Hormus am Persischen Golf ist praktisch gesperrt. Tanker kehren an dieser Meerenge um, wie die Schifffahrts-Analysefirma Windward berichtet. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich diese Route. Jede Unterbrechung kann Energiepreise in die Höhe treiben und internationale Märkte verunsichern.

Weitere wichtige Seehandelsrouten in der Nähe des Konfliktgebiets sind betroffen. Besonders bedeutsam für die Containerschifffahrt ist das Rote Meer, das in Friedenszeiten als wichtige Verbindung für Warentransporte zwischen Europa und Asien dient. Windward zufolge haben Anhänger der Huthi-Miliz angekündigt, Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer wieder aufzunehmen. Falls diese Route unsicher wird, müssen Reedereien den weiten Umweg um die Südspitze Afrikas nehmen.

Containerreedereien passen Routen an

Die Schifffahrtsunternehmen reagieren mit Fahrteneinstellungen und Routenänderungen. Die Mediterranean Shipping Company, weltgrößte Containerreederei nach Transportmenge, setzt Buchungen in der Region aus. Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd und die dänische Reederei Maersk haben mitgeteilt, die Straße von Hormus nicht länger zu durchfahren.

Maersk meidet auch die Meerenge am südlichen Ende des Roten Meeres. Stattdessen schickt die Reederei ihre Schiffe wie die französische CMA CGM um die Südspitze Afrikas. Diese Umwege führen zu längeren Transportzeiten und höheren Betriebskosten.

Norddeutsche Häfen in abwartender Position

Die Auswirkungen des Krieges auf norddeutsche Seehäfen sind derzeit schwer abzusehen. Mehrere Umschlagsunternehmen wurden kontaktiert, doch keines berichtete von akuten Auswirkungen auf den Umschlag. Der Hamburger Hafenlogistiker HHLA steht im ständigen Austausch mit Kunden, während Eurogate, Betreiber von Terminals in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven, keine Geschäftsbeziehungen mit dem Iran und den Golfstaaten unterhält.

Der JadeWeserPort in Wilhelmshaven, Deutschlands einziger Tiefwasserhafen für Containerumschlag, rechnet vorerst nicht mit Einschränkungen. „Die relevanten Containerreedereien umfahren die Region schon seit mehreren Monaten weiträumig“, erklärt eine Sprecherin.

Dennoch bereitet der Krieg der Branche Sorgen. Eduard Dubbers-Albrecht vom Präsidium der Bremischen Hafen- und Logistikvertretung erwartet verschobene Aufträge, Stornierungen, Umwege und dadurch höhere Transportkosten.

Ölimporte unter Beobachtung

Wie der Krieg den Ölumschlag in deutschen Häfen beeinflussen wird, bleibt ungewiss. Deutschland als einer der größten Mineralölverbraucher weltweit ist fast vollständig auf Importe angewiesen. Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stammte das Erdöl zuletzt vor allem aus den USA, Kasachstan, Großbritannien und Norwegen.

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Wilhelmshaven ist Deutschlands wichtigster Importhafen für Rohöl. An der Umschlagsanlage des Unternehmens Nord-West Oelleitung wurden 2024 rund 22 Prozent der deutschen Rohölimporte angelandet, was einer Menge von etwa 18,4 Millionen Tonnen entspricht. Jede Störung in den globalen Öltransportrouten könnte sich hier direkt bemerkbar machen.