Logistikbranche in Rostock vor Pleitewelle: Spediteure klagen über Diesel-Schock
Logistik in Rostock vor Pleitewelle: Diesel-Schock belastet

Logistikbranche in Rostock vor Pleitewelle: Spediteure klagen über Diesel-Schock

Die steigenden Dieselpreise setzen die Logistikbranche in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern massiv unter Druck. Regionale Speditionsunternehmen kämpfen ums Überleben und warnen vor einer drohenden Pleitewelle, falls nicht schnell politische Entlastungen folgen.

Enorme Mehrkosten belasten Unternehmen

Die aktuellen Tankstellenpreise haben sich für viele Logistikunternehmen zu einem untragbaren Kostentreiber entwickelt. Ein Speditionsunternehmer aus Rostock, der anonym bleiben möchte, erklärt: „Die wirtschaftliche Belastungsgrenze ist erreicht.“ Er rechnet vor: Ende Februar kostete eine 1000-Liter-Füllung für einen Lkw noch 1600 Euro, aktuell liegt der Preis bei 2120 Euro. Das bedeutet 520 Euro Mehrkosten pro Fahrzeug und nur für eine einzige Tankfüllung.

Der ADAC bestätigt, dass die Tagesdurchschnittspreise am 10. März bei 2,095 Euro je Liter Super E10 und 2,237 Euro je Liter Diesel lagen. „Für uns Spediteure ist das eine absolute Katastrophe“, so der Rostocker Unternehmer. Viele Betriebe stehen vor der Entscheidung, ob es wirtschaftlicher ist, den Betrieb stillzulegen, als weiterzufahren.

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Politische Forderungen nach Entlastung

Die IHK-Präsidenten Klaus-Jürgen Strupp aus Rostock und Matthias Belke aus Schwerin fordern angesichts der hohen Spritkosten steuerliche Entlastungen für Unternehmen. Sie plädieren für eine temporäre Senkung der Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel sowie eine befristete Aussetzung des nationalen CO₂-Preises. Ohne schnelle Maßnahmen drohen die gestiegenen Transportkosten sich durch die gesamte Wertschöpfungskette fortzupflanzen.

René Wodrich von Cargo Lion Rostock warnt: „Die Menschen gucken nur auf die Tankstellenpreise und denken: ‚Ach, ich muss jetzt 30 Euro mehr fürs Tanken ausgeben.‛ Aber sie sehen nicht, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist.“ Alles werde zwangsläufig teurer, und die Kosten würden die Unternehmen auffressen.

Unterschiedliche Betroffenheit in der Branche

Thomas Winter vom Rostocker Transportunternehmen „Go! Express“, das sich auf Pakettransport spezialisiert hat, spürt die Belastung ebenfalls, aber „noch nicht existenzbedrohend“. Er erklärt: „Das liegt daran, dass wir Transporter haben, keine Lkws, die tagelang fahren und Tausende Liter Diesel schlucken.“ Dennoch wünscht er sich schnelle politische Reaktionen zur Entlastung der Branche.

Ein Spediteur aus dem Rostocker Umland berichtet, dass Unternehmen im Februar mit einer Konjunkturquote von 1,5 bis 1,9 Prozent noch aufgeatmet hätten. „Jetzt stehen wir wieder da und können eigentlich nur hoffen, dass es uns nicht als Nächstes erwischt“, sagt er. Nach Jahren der Krise sei dies „jetzt nur wieder die nächste Schlinge um den Hals, und die Nachfrage wird einfach abgewürgt“.

Hintergrund und politische Reaktionen

Die Preisanstiege an den Zapfsäulen werden auf Einschränkungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus im Nahen Osten zurückgeführt, obwohl die physische Versorgung Europas kaum betroffen ist. Die Bundesregierung prüft daher kartellrechtliche Schritte gegen Mineralölunternehmen, die die Preise zuletzt deutlich angehoben haben.

Die Logistikbranche gilt als Frühindikator für wirtschaftliche Trends. Viele Spediteure warten vergeblich auf staatliche Unterstützung, wie Preisdeckelungen oder Mehrwertsteuersenkungen, die in anderen Ländern wie Südkorea bereits umgesetzt wurden. Ohne solche Maßnahmen, so die einhellige Warnung, droht am Ende eine enorme Pleitewelle, die nicht nur die Unternehmen, sondern auch die regionale Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern schwer treffen würde.

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