Spedition aus Rostock kämpft mit 100.000 Euro Mehrkosten durch Iran-Krieg
Spedition: 100.000 Euro Mehrkosten durch Iran-Krieg

Spedition aus Rostock kämpft mit monatlich 100.000 Euro Mehrkosten

Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten hat dramatische Auswirkungen auf die deutsche Transportwirtschaft. Stephan Gustke, Geschäftsführer der traditionsreichen Spedition Heinrich Gustke aus Rostock, schlägt Alarm: Sein Unternehmen muss aufgrund der explodierenden Spritpreise monatlich etwa 100.000 Euro zusätzlich aufbringen.

Geopolitische Krise trifft mittelständische Unternehmen

Der Grund für den rasanten Preisanstieg liegt in der Sperrung der strategisch wichtigen Straße von Hormus im Persischen Golf. Nach den Angriffen von Israel und den USA auf den Iran Ende Februar hat das Land diese entscheidende Handelsroute faktisch blockiert. Über diese Seepassage verläuft normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels – die Folgen dieser Blockade sind längst an deutschen Tankstellen spürbar.

Stephan Gustke führt das Familienunternehmen in dritter Generation. Mit 250 Mitarbeitern und einer Flotte von 120 Lastkraftwagen gehört die Spedition zu den bedeutenden Arbeitgebern in Mecklenburg-Vorpommern. Die Hälfte der Fahrzeuge fährt mit Diesel, die andere Hälfte mit Bio-Flüssiggas – beide Treibstoffarten haben in den letzten Wochen erhebliche Preissteigerungen erfahren.

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Existenzbedrohung für kleinere Transportunternehmen

„Bei einem monatlichen Verbrauch von etwa 250.000 Litern Treibstoff und einer Preiserhöhung von 0,40 bis 0,50 Euro pro Liter summieren sich die Mehrkosten schnell auf 100.000 Euro im Monat“, erklärt Gustke. Diese zusätzlichen Belastungen könne das Unternehmen nicht vollständig an seine Kunden weitergeben.

Besonders besorgt zeigt sich der Geschäftsführer um kleinere Transportunternehmen: „Für kleinere Transportunternehmen ist es genauso eine Katastrophe wie für uns. Diese haben oft nicht mehrere Standbeine wie wir, die auch im Bereich Lagerlogistik aktiv sind.“ Viele dieser Betriebe könnten nur hoffen, möglichst schnell die höheren Preise an ihre Kunden weiterzugeben.

Forderungen an die Politik und Warnung vor Insolvenzen

Gustke hat klare Erwartungen an die Bundesregierung: „Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern halte ich es für notwendig, dass man einen Preisdeckel einführt oder die Mineralölsteuer für eine gewisse Zeit senkt“. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass Mineralölkonzerne diese Entlastungen nicht durch weitere Preiserhöhungen auffressen.

Der Rostocker Unternehmer warnt vor dramatischen Folgen, sollte sich die Lage nicht bald entspannen: „Wenn ein Unternehmen gewisse Reserven hat, dann sind irgendwann diese Reserven aufgebraucht. Dann bleibt eigentlich nur der Gang zum Amtsgericht, um Insolvenz anzumelden.“ Gustke befürchtet, dass in den kommenden Wochen und Monaten mehrere Unternehmen dieser Branche diese schmerzhafte Erfahrung machen müssen.

Alternative Antriebe noch keine Lösung

Auf die Frage nach Elektroantrieben als Alternative zeigt sich Gustke zwar grundsätzlich offen für Zukunftstechnologien: „Ich denke schon, dass E-Mobilität oder auch Wasserstoff in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen werden“. Doch für die aktuelle Situation seien diese Optionen keine Lösung: „Wer mir heute sagt, ich solle E-Lkw kaufen, der hat die Situation nicht begriffen. Das ist aktuell einfach nicht möglich.“

Das Rostocker Unternehmen versucht derweil, sich breiter aufzustellen und weitere Geschäftszweige zu erschließen. „Wir geben alles, dass wir nicht zu den Unternehmen gehören, die diese Krise nicht überstehen“, betont Gustke. Bisher seien noch keine Arbeitsplätze gefährdet – eine Situation, die der Geschäftsführer dringend erhalten möchte.

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