Zalando-Standort Erfurt: Betriebsrat mit Ramelow will Schließung verzögern
Der Betriebsrat des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt stemmt sich entschlossen gegen die geplante Schließung des Standorts. Mit dem erfahrenen Arbeitskämpfer und Linken-Politiker Bodo Ramelow hat sich die Belegschaft einen prominenten Berater an die Seite geholt. Ramelow, der auch Bundestagsvizepräsident ist, sieht realistische Möglichkeiten, den Zeitplan des Onlinehändlers erheblich zu verzögern.
Gerichtsverfahren als mögliche Verzögerungstaktik
Nachdem Zalando das Arbeitsgericht Erfurt angerufen und die Einrichtung einer Einigungsstelle beantragt hat, kann der Betriebsrat dort nun Gegenmaßnahmen einreichen. „Das kann auch auslösen, dass der ganze Zeitplan des Unternehmens sehr schnell ins Rutschen kommt“, erklärte Ramelow gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Das Modeunternehmen strebt über dieses Schlichtungsgremium eine Einigung über Sozialplan und Interessenausgleich noch im Mai an, mit geplanter Standortschließung Ende September.
Kritik an Zalando's Vorgehen
Der Betriebsrat hatte bereits kritisiert, dass Zalando mit dem Gang zum Gericht den Weg der direkten Verständigung verlässt. Ramelow, der in der Vergangenheit als Bahn-Schlichter fungierte, bewertet diesen Schritt als problematisch: „Da hat der Arbeitgeber jetzt einen Schritt in die falsche Richtung gemacht.“ Seiner Einschätzung nach gibt es bei Zalando offenbar wenig Erfahrung mit solchen Situationen. Die Anrufung des Gerichts werde vom Betriebsrat als Provokation empfunden.
Offene Fragen zur Standortschließung
Ramelow machte deutlich, dass bis heute wesentliche Fragen ungeklärt sind:
- Es wurde nicht ausreichend dargelegt, warum der Standort mit seinen 2.700 Mitarbeitern überhaupt geschlossen werden muss
- Es fehlen realistische Perspektiven für eine Fortsetzung des Betriebs
- Informationen über mögliche Alternativen sind unzureichend
- Sogar die Eigentumsverhältnisse der Halle sind unklar
Obwohl der Arbeitgeber nach Ramelows Worten den „Fehdehandschuh“ hingeworfen habe, bleibe der Betriebsrat weiterhin verhandlungsbereit. In einer für Montag angekündigten Pressekonferenz sollen weitere Details zu der Auseinandersetzung erörtert werden. Die Belegschaft bereitet sich auf einen möglicherweise langwierigen Arbeitskampf vor, bei dem die rechtlichen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden sollen.



