Zalando schließt Logistikstandort in Erfurt trotz Rekordumsatz
In einer paradoxen Entwicklung bei Zalando schließt der Online-Modehändler sein Logistikzentrum in Erfurt und streicht damit 2700 Arbeitsplätze. Dies geschieht, obwohl das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025 einen kräftigen Umsatzanstieg verzeichnete und die 12-Milliarden-Euro-Marke knackte. Die Entscheidung fällt nach einem wirtschaftlich äußerst erfolgreichen Jahr und stellt für die betroffenen Beschäftigten eine bittere Pille dar.
Schwere Entscheidung nach erfolgreichem Geschäftsjahr
„Es war wahrscheinlich eine der schwersten Entscheidungen, die wir je treffen mussten“, erklärte Zalando-Co-Chef David Schröter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Gleichzeitig war sie notwendig, um sicherzustellen, dass wir die Kapazitäten dem zukünftigen Wachstumsbedarf anpassen.“ Das Logistikzentrum in Erfurt ist eines von vier europäischen Standorten, die im Zuge der Übernahme der Modeplattform About You geschlossen werden sollen. Schröter betonte jedoch, dass keine weiteren Standorte gefährdet seien: „Weitere Maßnahmen wird es nicht geben.“
Der Konzern bemüht sich aktuell, die Auswirkungen für die Beschäftigten zu minimieren. Dazu gehören Jobangebote in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur vor Ort sowie die Verhandlung eines Sozialplans mit dem Betriebsrat. Einige Mitarbeiter haben bereits an andere Standorte gewechselt. Die Thüringer Landespolitik kritisiert die Schließung scharf, während Zalando mit der About-You-Übernahme stärker auf Modetrends und Influencer setzen will.
Umsatzrekord bei sinkendem Nettogewinn
Trotz der Schließungspläne blickt Zalando auf ein äußerst erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück:
- Der Umsatz stieg um 16,8 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro
- Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) legte von 511 auf 591 Millionen Euro zu
- Der Nettogewinn sank jedoch von 251 auf 213 Millionen Euro
Um weiterhin zu wachsen, setzt der Modehändler zunehmend auf Künstliche Intelligenz (KI). „Wir nutzen es seit 15 Jahren im Marketing, in der Zahlungsabwicklung, in der Logistik“, so Schröter. Besonders bei Marketingkampagnen hat KI massiv an Bedeutung gewonnen: Mittlerweile entstehen 90 Prozent der Kampagnen für die Website mithilfe von KI – vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei fast null.
KI-Einsatz und Google-Kooperation als Zukunftstreiber
Die Entwicklerteams schrieben dank KI im vergangenen Jahr 20 Prozent mehr Code, was zu höherer Effizienz und Geschwindigkeit führt. „Das macht uns schneller, es macht uns effizienter und in Summe stimmt uns das natürlich sehr zuversichtlich für die Zukunft“, erklärte der Zalando-Co-Chef. Zudem kooperiert das Unternehmen mit Google, um den Einkauf direkt über Chatbots zu ermöglichen. „Ich glaube, auch da haben wir viel zu bieten und können vor allem damit dafür sorgen, dass noch mehr Kunden den Weg zu Zalando finden“, so Schröter abschließend.



