Die Europäische Zentralbank (EZB) wird am Donnerstag, den 23. Juli 2026, über die Leitzinsen im Euroraum entscheiden. Nach einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkte im Juni, die den Einlagenzins auf 2,25 Prozent steigen ließ, erwarten die meisten Experten nun eine Zinspause. Allerdings bleibt die Entwicklung der Energiepreise und der Konflikt im Nahen Osten als Unsicherheitsfaktor bestehen.
Klare Prognose für die Juli-Sitzung
Konstantin Veit, Portfoliomanager bei Pimco, sagt: „Nach der Anhebung um 25 Basispunkte im Juni erwarten wir, dass die Europäische Zentralbank auf ihrer Juli-Sitzung den Einlagensatz unverändert bei 2,25 Prozent belassen wird.“ Er verweist auf die schwächer als erwartet ausgefallene Inflation, das mit dem Inflationsziel vereinbare Lohnwachstum und die verhaltene Konjunktur. Auch der Zeitplan der EZB spricht für eine Pause: Neue gesamtwirtschaftliche Projektionen werden erst im September veröffentlicht. „Die Unsicherheit bleibt hoch“, so Veit.
Martin Wolburg, Ökonom bei Generali Investments, stimmt zu: Die jüngsten Inflationsdaten und die zwischenzeitliche Entspannung bei den Energiepreisen hätten den Handlungsdruck auf die EZB verringert. Die Inflationsaussichten entwickelten sich günstiger als noch in den Projektionen der Juni-Sitzung angenommen.
Auswirkungen auf Tagesgeld und Festgeld
Stabile oder steigende EZB-Zinsen sind grundsätzlich positiv für Sparer, da Banken höhere Zinsen auf Einlagen weitergeben können. Jasmin Ehlert von der Anlageplattform Raisin rechnet in diesem Jahr mit einem langsamen Aufwärtstrend bei den Sparzinsen, getrieben durch den Wettbewerb zwischen den Banken. Besonders bei Tagesgeld und Festgeldern mit kurzen Laufzeiten könnten die Konditionen leicht steigen.
Ehlert empfiehlt Sparern, die sich nicht langfristig binden möchten, die sogenannte Zinstreppe: „Wer steigende Zinsen nutzen möchte, setzt am besten auf die Zinstreppe.“ Dabei wird das Kapital auf Festgelder mit unterschiedlichen Laufzeiten (z. B. ein, zwei und drei Jahre) verteilt, sodass regelmäßig ein Teil frei wird und zu dann höheren Konditionen reinvestiert werden kann.
Zinserhöhung im September bleibt wahrscheinlich
Die Experten sind sich uneinig, ob die Zinspause über Juli hinaus anhält. Veit rechnet mit einer letzten Erhöhung im September. Wolburg sieht ebenfalls das Risiko einer weiteren Anhebung im September, „insbesondere dann, wenn die jüngste Eskalation im Iran-Konflikt anhalten sollte“. Steigende Öl- und Gaspreise könnten die Inflation erneut verstärken.
David Kohl, Chefvolkswirt bei Julius Bär, erwartet dagegen keine zusätzliche Erhöhung: „Wir korrigieren unsere Prognose für den Leitzins der EZB nach unten und gehen davon aus, dass er für den Rest des Jahres 2026 sowie im Jahr 2027 unverändert bleibt.“
Bauzinsen: Keine unmittelbare Reaktion
Für Bauzinsen folgt die Entwicklung nicht direkt dem EZB-Zins. Banken orientieren sich an langfristigen Anleiherenditen, Inflationserwartungen und dem erwarteten geldpolitischen Kurs. Eine Zinspause im Juli bedeutet daher nicht automatisch günstigere Baufinanzierungen. Entscheidend sind die Signale von EZB-Präsidentin Christine Lagarde für die kommenden Sitzungen. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING, erwartet vorerst wenig Bewegung bei den Bauzinsen.



