Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gehört zu den wichtigsten Kennzahlen für Aktienanleger. Es gibt an, wie viele Jahre ein Unternehmen bei konstanten Gewinnen benötigt, um seinen aktuellen Börsenwert zu erwirtschaften. Ein niedriges KGV deutet auf eine potenziell günstige Aktie hin, während ein hohes KGV auf eine Überbewertung hindeuten kann. Allerdings ist das KGV allein nicht aussagekräftig und sollte stets im Kontext von Branche, historischer Entwicklung und weiteren Kennzahlen betrachtet werden.
Was ist das KGV und wie wird es berechnet?
Das KGV, auch Price-Earnings-Ratio (PER) genannt, setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie. Die Formel lautet: KGV = Aktienkurs / Gewinn pro Aktie. Dabei können sowohl vergangene Gewinne (trailing KGV) als auch zukünftige Gewinnschätzungen (forward KGV) verwendet werden. Da Börsen die Zukunft handeln, ist das forward KGV oft aussagekräftiger. Beispielsweise lag der Dax in den vergangenen Jahren im Mittel bei einem KGV von 14, während der US-Index S&P 500 ein KGV von knapp 30 aufwies.
Beispiel Tesla: Hohes KGV und Wachstumserwartungen
Tesla verzeichnete 2025 einen Jahresgewinn von 3,79 Milliarden US-Dollar, was einem Gewinn pro Aktie von 1,08 US-Dollar entspricht. Bei einem Aktienkurs von 449,72 US-Dollar ergibt sich ein KGV von rund 416. Dies erscheint auf den ersten Blick extrem überbewertet. Viele Analysten sehen jedoch starke Wachstumsperspektiven für Tesla, die die hohe Bewertung rechtfertigen könnten. Ob dies zutrifft, wird sich erst in Zukunft zeigen. Fest steht: Die Aktie ist nicht günstig.
Was ist ein gutes KGV?
Ein pauschaler guter KGV-Wert existiert nicht. Die Kennzahl muss im Branchenvergleich und im historischen Kontext betrachtet werden. Pharmakonzerne haben typischerweise andere KGVs als Finanztechnologie-Unternehmen. In Deutschland weisen Automobilhersteller wie die Mercedes-Benz Group oft einstellige KGVs auf. Auch die Anlegerstimmung beeinflusst die Wahrnehmung: In Krisenzeiten kann selbst ein KGV von 14 als teuer gelten.
Anlagestrategien mit dem KGV
Berühmte Investoren wie Warren Buffett setzten jahrzehntelang auf Aktien mit einem KGV unter 15, kombiniert mit einer hohen Dividendenrendite. Diese Strategie soll Verluste in Konjunkturabschwüngen begrenzen. Allerdings kann der Gewinn durch legale Bilanzierungstricks beeinflusst werden, sodass das KGV verzerrt sein kann. Daher sind fundierte Profitabilitätsanalysen und Unternehmensbewertungen unerlässlich.
Alternativen zum KGV
Neben dem KGV gibt es weitere Bewertungskennzahlen: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) setzt die Marktkapitalisierung ins Verhältnis zum Jahresumsatz und eignet sich für Unternehmen ohne Gewinn. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) vergleicht den Aktienkurs mit dem Buchwert pro Aktie. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) basiert auf dem operativen Cashflow, der objektiver ist als der Gewinn. Jede Kennzahl hat ihre Stärken und Schwächen und sollte ergänzend genutzt werden.
Vor- und Nachteile des KGV
Das KGV bietet eine einfache Berechnung und einen schnellen Einblick in potenzielle Über- oder Unterbewertungen. Nachteile sind die Abhängigkeit von ungenauen Gewinnangaben und subjektiven Analystenprognosen, fehlende branchenübergreifende Vergleichbarkeit und geringe Aussagekraft bei Unternehmen mit hohen Investitionen und geringem Gewinn. Daher sollte das KGV niemals isoliert betrachtet werden.



