Die wirtschaftliche Lage der deutschen Landwirte hat sich deutlich verschlechtert. Im Wirtschaftsjahr 2023/24 sank der durchschnittliche Gewinn auf 77.500 Euro, was einem Rückgang von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies gab der Deutsche Bauernverband bekannt. Mit Ausnahme der Schweinehaltung verzeichneten nahezu alle Betriebe Einbußen.
Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach in Berlin von einem stotternden Motor und einer gedrückten Stimmung in der Branche. Ursachen seien hohe Kosten für Energie, Pflanzenschutz und Dünger sowie tendenziell rückläufige Erträge auf den Feldern, bedingt durch neue Schädlinge und den Klimawandel. Dies betreffe Kulturen wie Weizen, Raps, Rüben und Kartoffeln.
Einziger Lichtblick sei die Schweine- und Geflügelhaltung, die nach langer Durststrecke zum zweiten Mal in Folge einen Gewinnanstieg auf durchschnittlich 148.000 Euro verbuchte. Insgesamt sei die Investitionsbereitschaft der Landwirte jedoch gebremst, insbesondere bei Gebäuden, so Rukwied.
Der Verband fordert einen Agrar-Kurswechsel von der Politik, insbesondere mit Blick auf die vorgezogene Bundestagswahl am 23. Februar. Nötig seien Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft im europäischen Markt wiederherzustellen. Kritik übte Rukwied an der früheren Ampel-Koalition.
Ein weiteres Reizthema ist das schrittweise Ende der Steuervergünstigungen beim Agrardiesel, das Ende 2023 bundesweite Bauernproteste auslöste. Der Verband fordert eine durchschnittliche Steuerrückerstattung, wie sie in anderen EU-Ländern üblich sei. Zudem müssten EU-Vorgaben national einheitlich umgesetzt werden.
Die Aussichten für das laufende Wirtschaftsjahr sind gemischt: Während die Ergebnisse in der Schweinehaltung stabil bleiben und bei Milchbauern leicht steigen könnten, liegen die Getreidepreise unter Vorjahresniveau bei gleichzeitig kleinerer Ernte. Im Weinbau herrsche eine Markt- und Preiskrise. Schwankungen und Extremwetterrisiken nähmen zu, so der Verband.



