Die US-Aktienmärkte haben am Donnerstag eine bemerkenswerte Erholung gezeigt. Nach einem schwachen Start in den Handelstag drehten die Indizes bis zum Börsenschluss deutlich ins Plus oder reduzierten ihre Verluste erheblich. Auslöser waren neue Hoffnungen auf ein Ende des Iran-Kriegs, die durch Äußerungen von US-Präsident Donald Trump genährt wurden.
Dow Jones mit kräftigem Plus
Der Dow-Jones-Index gewann 1,7 Prozent auf 51.562 Punkte. Gestützt wurde der Index vor allem von Aktien aus dem Gesundheits- und Finanzsektor. An der Spitze standen die Papiere des Krankenversicherers Unitedhealth mit einem Plus von 5,2 Prozent, nachdem die Bank of America die Aktie auf "Buy" hochgestuft hatte. Der breit gefasste S&P-500 legte um 0,4 Prozent zu. Der technologielastige Nasdaq-Composite verringerte sein Minus bis zur Schlussglocke auf 0,1 Prozent. An der New Yorker Börse standen 1937 Kursgewinnern (Mittwoch: 678) insgesamt 826 Verlierer (2100) gegenüber. Unverändert schlossen 64 Titel (64).
Hoffnung auf Iran-Abkommen
Laut Händlern keimte unter den Anlegern wieder Hoffnung auf ein Abkommen zur Beendigung des Iran-Krieges auf. US-Präsident Trump hatte versichert, die US-Streitkräfte würden ihre Angriffe auf den Iran nicht wieder aufnehmen, sofern keine US-Soldaten getötet würden. Zudem stimmte das von den Republikanern kontrollierte Repräsentantenhaus mehrheitlich für eine Resolution, die Trump die Fortsetzung des Krieges untersagen soll. Die Zustimmung des Senats steht jedoch noch aus, und es bedarf einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern, um ein Veto von Trump zu überstimmen.
Technologiesektor unter Druck
Im Technologiesektor dämpfte Broadcom die Kauflaune. Die Umsatzprognose des Chipherstellers für das dritte Quartal konnte nicht mit den Erwartungen Schritt halten, obwohl die Quartalszahlen gut ausgefallen waren. Händler zufolge warf der Ausblick erneut die Frage auf, in welchem Tempo die Nachfrage nach KI tatsächlich anziehen wird. Der Broadcom-Kurs brach um 12,6 Prozent ein. Im Sog verbilligten sich AMD um 3,6 Prozent, Micron um 7,6 Prozent und Sandisk um 3,9 Prozent. Intel (-0,8 Prozent) profitierten nicht von einer Zusammenarbeit mit Apple-Zulieferer Foxconn zur Entwicklung einer KI-Infrastruktur. Nvidia legten dagegen um 2 Prozent zu.
"Das ist ein klassischer Fall von sehr hohen Erwartungen, die auf einen Markt treffen, der auf Perfektion setzt (...). Anleger bestrafen derzeit alles, was nicht exakt ihren Vorstellungen entspricht", erläuterte Analyst Matt Britzman von Hargreaves Lansdown.
Fallende Ölpreise stützen
Unterstützung erhielten die Börsen von sinkenden Ölpreisen. Hintergrund war die Einigung zwischen Israel und Libanon auf eine Verlängerung der Waffenruhe, allerdings unter der Bedingung, dass die vom Iran unterstützte Miliz Hisbollah ihre Angriffe einstellt. Diese lehnt eine Waffenruhe jedoch ab. Die Rohölsorte Brent verbilligte sich um 2,6 Prozent je Barrel. "Ohne eine Normalisierung der regionalen Ölströme ist der Markt zunehmend starken Aufwärtsschwankungen ausgesetzt, da die Lagerbestände weiter abnehmen", warnten die ING-Analysten Warren Patterson und Ewa Manthey.
Anleihen und Rohstoffe
Am Anleihemarkt sanken die Renditen angesichts nachgebender Ölpreise leicht, was die Inflationssorgen dämpfte. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen reduzierte sich um 2 Basispunkte auf 4,47 Prozent. Fallende Marktzinsen setzten dem Dollar zu; der Dollar-Index gab um 0,2 Prozent nach. Die Feinunze Gold verteuerte sich dagegen um 1,1 Prozent, gestützt von Dollar-Schwäche und niedrigeren Marktzinsen.
Konjunkturdaten
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche stärker als angenommen, blieb aber auf niedrigem Niveau. Der am Mittwoch veröffentlichte ADP-Arbeitsmarktbericht hatte für Mai einen etwas stärkeren Beschäftigungsaufbau ausgewiesen als erwartet. Anleger warten nun gespannt auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag. Die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft stieg in zweiter Lesung weniger stark als vorläufig gemeldet und verfehlte die Erwartungen von Ökonomen. Die Lohnstückkosten legten weniger stark zu als in der ersten Lesung, während Volkswirte eine Aufwärtsrevision erwartet hatten.
Einzelwerte
CrowdStrike fielen um 3,8 Prozent, nachdem die Quartalszahlen des Cybersicherheitsunternehmens die Erwartungen nur knapp übertroffen hatten. Anleger nutzten die Gelegenheit, nach einer beeindruckenden Kursrally Gewinne einzustreichen. PVH, die Eigentümerin von Tommy Hilfiger und Calvin Klein, brachen um gut 20 Prozent ein, nachdem das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr gesenkt hatte. Das Quantencomputer-Unternehmen Quantinuum feierte in dem negativen Umfeld für Technologiewerte ein eher verhaltenes Börsendebüt. Der erste Kurs lag mit 68 Dollar über dem Ausgabepreis von 60 Dollar. Zur Schlussglocke notierten die Titel bei 60,36 Dollar.



