Wall Street: Rekordjagd pausiert – KI-Angst belastet US-Börsen weiter
Wall Street: Rekordjagd pausiert – KI-Angst belastet Börsen

Die Rekordjagd an der Wall Street ist vorerst beendet. Am letzten Handelstag der Woche belasten schwache Arbeitsmarktdaten und Verluste bei Chipaktien die Stimmung. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte liegt nahezu unverändert bei 51.438 Zählern. Der breiter gefasste S&P 500 notiert 0,9 Prozent tiefer auf 7515 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verliert 1,4 Prozent auf 26.454 Punkte.

KI-Angst sorgt für Ausverkauf bei Tech-Aktien

Bereits am Donnerstag rutschten die Aktien des technologielastigen Nasdaq ins Minus, nachdem der Chip-Konzern Broadcom zwar solide, aber die Anleger offenbar enttäuschende Zahlen vorgelegt hatte. KI-Aktien hatten in den vergangenen Wochen eine starke Rally hingelegt. Aus vergangenen KI-Rallys ist allerdings bekannt, dass Anleger sehr kritisch auf Quartalszahlen blicken. Bereits wenn Zahlen die Erwartungen erfüllen, aber nicht übertreffen, kann das zu Ausverkäufen führen. Broadcom hatte die Prognose für das kommende Jahr nicht nach oben angepasst – das reichte den Anlegern offenbar, um Tech-Aktien im großen Stil abzugeben.

„Die Erwartungen der Anleger gegenüber den Entwicklungen im KI-Sektor sind angesichts stark gestiegener Kurse hoch, die Fehlertoleranz entsprechend tief“, schreibt Jochen Stanzl, Chefmarktökonom der Consorsbank. Die Zahlen könnten zwar dem Narrativ wachsender KI-Investitionen nichts entgegensetzen, aber „sie wirken jedoch dämpfend auf die heiß gelaufene Anlegerstimmung“.

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S&P 500 droht historische Serie zu reißen

Der breite US-Index S&P 500 hatte, auch aufgrund der Rally der Chipaktien, die vergangenen neun Wochen mit Gewinnen beendet – die längste Serie seit Jahrzehnten. Doch damit könnte jetzt Schluss sein. Ein schwacher Freitag würde dafür ausreichen. Der Index liegt zu Handelsbeginn fast ein Prozent unter Vorwochenniveau.

US-Arbeitsmarkt überraschend stark

Am US-Stellenmarkt sind im Mai doppelt so viele Jobs entstanden wie erwartet. Auch im April ist der Stellenmarkt in den USA gewachsen. Die Auswirkungen des Irankriegs lassen sich derweil am Arbeitsmarkt nicht spüren. Die getrennt berechnete Arbeitslosenquote verharrte bei 4,3 Prozent.

„Dieser Bericht ist die absolute Fieberkurve für die US-Notenbank“, schreibt Frank Sohlleder von Activ Trades. Die Fed hat ein Doppelmandat für Preisstabilität und Vollbeschäftigung. Zu viele Stellen am Markt sind für die Notenbank ebenso ein Indikator für Zinsanpassungen wie Veränderungen bei der Inflation.

Die nächste Sitzung der Federal Reserve steht am 17. Juni an. „Dieser Bericht könnte entscheidend sein, um die nächsten Zinsschritte einschätzen zu können“, analysiert Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Laut dem Fed-Watch-Tool CME gehen über 96 Prozent der Anleger davon aus, dass die US-Notenbank den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen wird. Auch bei der vergangenen Sitzung hatte die Fed den Leitzins nicht angefasst.

Irankrieg und Ölpreise

Im Irankrieg gibt es derweil am Freitag kaum Fortschritte. Irans Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge Warnschüsse auf US-Kriegsschiffe vor ihrer Südküste abgegeben. Im Libanon wird trotz Waffenruhe weiterhin gekämpft. Die Ölpreise bleiben auf hohem Niveau. Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostet 94,09 Dollar pro Barrel (159 Liter), ein leichtes Minus von rund einem Prozent.

Blick auf Einzelwerte

Lululemon: Titel des Sporttextilherstellers Lululemon verlieren am Freitag 8,9 Prozent. Der Konzern hatte am Vortag Quartalszahlen vorgelegt und seine Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt. Die Nachfrage im Heimatmarkt hatte zuletzt geschwächelt.

Chiptitel: Nach den kürzlichen Gewinnen verlieren die Chipaktien von Advanced Micro Devices (AMD), Micron Technology und Qualcomm an den US-Börsen rund fünf Prozent.

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