Die Wall Street zeigt sich derzeit ohne klaren Kurs. Ein überraschend robuster US-Arbeitsmarktbericht hat den Druck auf die Federal Reserve (Fed) erhöht, die Leitzinsen länger auf einem hohen Niveau zu belassen oder sogar eine weitere Anhebung in Betracht zu ziehen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung vor Dezember stieg von 45 auf 62 Prozent.
KI-Euphorie verpufft
Gleichzeitig lässt die monatelang vorherrschende Begeisterung für Künstliche Intelligenz nach. Besonders betroffen ist der KI- und Halbleitersektor, der weiter unter Abgabedruck steht. Anleger reagieren mit Umschichtungen: Sie verlassen Technologietitel und wenden sich verstärkt Finanzwerten, Healthcare-Aktien und ausgewählten Softwaretiteln zu.
Quartalszahlen enttäuschen
Drei Unternehmen legten solide bis starke Quartalszahlen vor: der Dokumentenspezialist DocuSign, der Cybersicherheitsanbieter Rubrik und das Flottenmanagement-Unternehmen Samsara. Dennoch tendierten ihre Aktien an der Börse schwächer. Auch der Sportmodehändler Lululemon enttäuschte mit schwächeren Margen und einer deutlich gesenkten Jahresprognose.
Anthropic warnt vor Kontrollverlust
Für Gesprächsstoff sorgt das KI-Unternehmen Anthropic. Der ChatGPT-Konkurrent warnt davor, dass KI-Systeme bald in der Lage sein könnten, eigenständig Nachfolgemodelle zu entwickeln – und damit der menschlichen Kontrolle zu entgleiten.
Ausblick auf die kommende Woche
In der kommenden Woche stehen die US-Inflationsdaten, die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie Quartalsergebnisse von Oracle, Adobe und dem Immobilienentwickler Lennar auf dem Programm. Apples jährliche Entwicklerkonferenz WWDC dürfte weitere KI-Ankündigungen bringen.
Zudem gilt der geplante Börsengang von SpaceX als Stimmungstest: Wie aufnahmefähig ist der Markt noch für große Tech- und KI-Emissionen? Dies wird mit Spannung erwartet.
Ein Podcast von 360wallstreet, präsentiert vom Handelsblatt.



