EU-Kommission präsentiert 'EU Inc.': Revolution für Start-ups in Europa
Die Europäische Union will mit einer neuen Unternehmensform namens 'EU Inc.' die Gründung von Start-ups deutlich beschleunigen und die Expansion über Ländergrenzen hinweg erleichtern. Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, stellte den Vorschlag in Brüssel vor und betonte, dass Unternehmer künftig innerhalb von 48 Stunden vollständig online ein Unternehmen anmelden können sollen. Die Kosten dafür sollen maximal 100 Euro betragen, und ein bestimmtes Startkapital ist nicht erforderlich.
Vereinfachungen für Unternehmen und Expansion im Binnenmarkt
Die 'EU Inc.' soll es Unternehmen jeder Größe ermöglichen, sich einfacher in der EU zu registrieren. Persönliche Behördengänge entfallen, Vorstandstreffen können online abgehalten werden, und Abwicklungen werden beschleunigt. Informationen werden in einem zentralen EU-Register gespeichert, was Mehrfachangaben überflüssig macht. Ziel ist es, Innovationen zu fördern, Investitionen in Start-ups anzukurbeln und die Expansion im gesamten europäischen Binnenmarkt zu vereinfachen. Bisher müssen expandierende Unternehmen mit 27 nationalen Rechtssystemen und über 60 Unternehmensformen kämpfen, was Zeit und Geld kostet.
Kritik an möglichen Auswirkungen auf Arbeitnehmerrechte
Trotz der geplanten Vereinfachungen gibt es Bedenken, insbesondere von Gewerkschaften und Politikern wie dem SPD-Europaabgeordneten René Repasi. Sie befürchten, dass die Trennung von wirtschaftlicher Tätigkeit und rechtlichem Sitz einer Gesellschaft dazu führen könnte, Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer zu umgehen. EU-Kommissar Michael McGrath betont jedoch, dass nationale Regelungen zu Arbeits-, Sozial- und Steuerrecht unberührt bleiben. Das Arbeitsrecht soll weiterhin dort gelten, wo die Arbeit stattfindet, nicht am Registrierungsort des Unternehmens.
Wirtschaftsverbände begrüßen den Vorschlag, fordern aber Pragmatismus
Mehrere Wirtschaftsverbände, darunter der deutsche Digitalverband Bitkom und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), unterstützen die Initiative grundsätzlich. Sie erwarten einen 'echten Schub' für den Startup-Standort Europa und fordern Tempo im Gesetzgebungsverfahren. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt jedoch davor, 'Sonderinteressen' in Bereichen wie Arbeitsrecht zu Voraussetzungen zu machen. Statt Perfektion sollte Vereinfachung für alle im Vordergrund stehen.
Hintergrund: EU will Wettbewerbsfähigkeit stärken
Die 'EU Inc.' ist Teil eines größeren Plans, die europäische Wirtschaft im globalen Wettbewerb mit den USA und China zu stärken. Berichte von ehemaligen EZB-Chef Mario Draghi und Italiens Ex-Premierminister Enrico Letta haben auf die Notwendigkeit eines einheitlichen EU-Regelwerks hingewiesen, um nationale Hürden zu überwinden. Bei einem Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs soll die Wettbewerbsfähigkeit weiter diskutiert werden.



