Neuer Anlauf für elektrische Senkrechtstarter aus Bayern
In der deutschen Luftfahrtbranche keimt erneut Hoffnung auf: Nach den finanziellen Zusammenbrüchen der beiden Elektroflugzeug-Start-ups Lilium und Volocopter nimmt nun ein drittes deutsches Jungunternehmen die Entwicklung eines E-Senkrechtstarters in Angriff. Das Unternehmen ERC System aus Ottobrunn im Landkreis München arbeitet an einem hybrid-elektrischen Flugzeug, das speziell als fliegender Krankenwagen konzipiert ist. Ein erster Prototyp wurde kürzlich in Erding der Öffentlichkeit präsentiert.
Kooperation mit der DRF Luftrettung
Das 2020 gegründete Unternehmen mit derzeit 60 Mitarbeitern kooperiert eng mit der Luftrettung DRF. Der geplante Senkrechtstarter, im Fachjargon als eVTOL (electric Vertical Take-Off and Landing aircraft) bezeichnet, soll primär für den Patiententransport zwischen Krankenhäusern eingesetzt werden, nicht für akute Rettungseinsätze. Christian Müller-Ramcke, Leiter Unternehmensentwicklung der DRF, begründet dies mit erwarteten strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen: "Wir gehen davon aus, dass wir deutlich mehr Patiententransporte sehen werden." Hintergrund sind Finanzprobleme und Schließungen von Krankenhäusern sowie Reformpläne der Bundesregierung, die zu einer Zentralisierung chirurgischer Expertise führen könnten.
Technische Details und Marktchancen
Der vorgestellte Prototyp mit dem Namen "Romeo" ist eine ferngesteuerte Drohne, die als vollelektrischer Schwebedemonstrator dient. Das finale Flugzeug soll jedoch von Piloten gesteuert werden und über einen Hybridantrieb verfügen, der eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern ermöglicht. David Löbl, Chef von ERC System, erläutert: "Der Kolbenmotor wird zukünftig die Reichweite unseres Flugzeuges verlängern." Mitgründer Max Oligschläger sieht große Marktchancen: "Elektrifiziert können wir zu ganz anderen Betriebskosten fliegen als ein konventionelles Flugzeug. Das ist ein signifikanter Markt, vor allem bei Flugzeugen für den Transport von fünf, sechs Menschen." Für größere Flugzeuge halten Luftfahrtingenieure den Elektroantrieb beim derzeitigen Stand allerdings noch nicht für geeignet.
Finanzierung und Zeitplan
Im Gegensatz zu den gescheiterten Vorgängern verfügt ERC System über einen langfristig orientierten Investor: den bayerischen Luftfahrt-Dienstleister IABG. Oligschläger betont: "Wir brauchen einen strategischen Investor, der uns nicht nur mit Kapital ausstattet, sondern auch mit Erfahrung und einem langen Atem unterstützen kann. Und das ist bei der IABG der Fall." Mittel- bis langfristig sollen weitere Investoren hinzukommen. Das ambitionierte Ziel lautet, den Senkrechtstarter bis zum Jahr 2031 zur Serienreife zu bringen und damit eine Lücke im Markt für elektrische Luftfahrzeuge zu füllen.



