München überholt Berlin: Neuer Start-up-Gigant mit Fokus auf Verteidigung und Innovation
München hat sich 2025 als dynamischer Start-up-Standort etabliert und Berlin in puncto Investitionen und Neugründungen überholt. Die bayerische Metropole profitiert von einer einzigartigen Kombination aus Forschung, etablierter Wirtschaft und internationaler Ausrichtung, die sie besonders für Sektoren wie Verteidigung und Deeptech attraktiv macht.
Investitionsboom und Wachstum bei Neugründungen
Laut einer aktuellen Auswertung der bayerischen Industrie- und Handelskammer (IHK) und des Startup-Verbands wurden 2025 in München 290 neue Start-ups gegründet, ein Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies übertrifft den bundesweiten Schnitt von 29 Prozent deutlich. Das Investitionsvolumen in der Region München hat sich seit 2020 verdoppelt, während es in Berlin im gleichen Zeitraum um 19 Prozent zurückging.
Führende Rolle im Verteidigungs- und Sicherheitssektor
München ist das zweitgrößte Start-up-Ökosystem Deutschlands und dominiert insbesondere im Sicherheits- und Verteidigungsbereich. Zwischen 2023 und 2025 flossen über 1,7 Milliarden Euro in Münchner Verteidigungs-Start-ups, was europäische Spitze darstellt und London mit nur 230 Millionen Euro deutlich hinter sich lässt. Alexander Hirschfeld vom Startup-Verband betont: "Ein ganz wichtiger Grund ist, dass München so stark ist in der Zusammenarbeit mit Forschung und Entwicklung." Vor Ort liegen renommierte Einrichtungen wie die Technische Universität München (TUM), die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und die Universität der Bundeswehr München.
Vorteile durch etablierte Wirtschaft und internationale Talente
Die Nähe zu Großunternehmen wie Siemens, BMW und Infineon bietet Start-ups potenzielle Kundschaft und schnelle Umsätze. Heike Freund, COO des Münchner Unternehmens Marvel Fusion, erklärt: "Wir arbeiten mit starken Industriepartnern und Universitäten zusammen, zum Beispiel mit Siemens Energy und der LMU." Das internationale Ökosystem in München zieht Talente aus aller Welt an; bei Marvel Fusion stammen die 100 Mitarbeiter aus 26 Nationen.
Herausforderungen und Verbesserungspotenzial
Trotz der Stärken gibt es Verbesserungsbedarf. Nur 46 Prozent der Münchner Start-ups nutzen Englisch als primäre Arbeitssprache, verglichen mit 67 Prozent in Berlin. Hirschfeld empfiehlt, vom ersten Tag an Englisch zu sprechen, um internationale Talente besser zu gewinnen. Bei der Wachstumsfinanzierung sieht Manfred Gößl, IHK-Bayern-Chef, Herausforderungen: "Unsere Herausforderung ist, mit China und einigermaßen mit den USA mitzuhalten." Er fordert eine europäische Kapitalmarktunion und mehr Investitionen von Versicherungen oder Pensionskassen in Wagniskapital.
Zukunftsperspektiven und Lektionen aus Pleiten
Initiativen wie die Win-Initiative der Ampelregierung, die bis 2030 zwölf Milliarden Euro in den Wagniskapitalmarkt investieren will, sind wichtige Schritte. Freund von Marvel Fusion betont, dass Scheitern zum Innovationsprozess gehört: "Wenn es kein Scheitern gäbe, dann war die Messlatte nicht hoch genug." Pleiten wie bei Lilium stärken andere Start-ups, da qualifizierte Mitarbeiter im Ökosystem bleiben. Um international zu bestehen, müssen sich bayerische Start-ups ambitionierten Themen wie der Kommerzialisierung der Fusionsenergie widmen, wie es Marvel Fusion mit laserbasierter Kernfusion anstrebt.



