Nur die Hälfte deutscher Start-ups würde erneut in Deutschland gründen
Nur Hälfte der Start-ups würde wieder in Deutschland gründen

Gespaltene Stimmung: Nur 50 Prozent der deutschen Start-ups würden erneut in Deutschland gründen

Die deutsche Start-up-Szene blickt mit gemischten Gefühlen auf den heimischen Standort. Eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom offenbart eine tiefe Zerrissenheit: Lediglich die Hälfte der befragten Gründer würde rückblickend erneut den Schritt wagen, in Deutschland ein Unternehmen zu gründen. Diese ernüchternde Zahl unterstreicht die schwierigen Rahmenbedingungen, mit denen innovative Firmen hierzulande konfrontiert sind.

Abwanderungstendenzen und wirtschaftliche Unsicherheit

Die Studie, für die Anfang dieses Jahres 133 Technologieunternehmen befragt wurden, zeigt deutliche Abwanderungstendenzen. 20 Prozent der Gründer gaben an, sich im Nachhinein für ein anderes EU-Land entscheiden zu wollen, während 11 Prozent ein Land außerhalb Europas bevorzugen würden. Interessanterweise stehen die USA unter Präsident Donald Trump nicht hoch im Kurs – nur 7 Prozent der Befragten würden dorthin wechseln.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland wird von den Start-ups ebenfalls kontrovers bewertet. Gut ein Drittel (35 Prozent) berichtet von einer Verbesserung im vergangenen Jahr, doch fast ebenso viele (30 Prozent) sehen eine Verschlechterung. Für weitere 35 Prozent blieb die Situation unverändert. Noch düsterer fällt die Einschätzung der allgemeinen Lage deutscher Start-ups aus: Nur 19 Prozent sahen 2025 eine Verbesserung, während 37 Prozent eine Verschlechterung konstatierten. Alarmierend ist, dass rund jedes elfte Start-up innerhalb der nächsten zwölf Monate eine Insolvenz befürchtet.

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Deutschland im internationalen Vergleich abgeschlagen

Ein zentrales Problem bleibt der Mangel an Wagniskapital. Zwar kommen Start-ups in Deutschland nach der Gründung relativ leicht an erste Finanzierungen, doch für die Expansion mit großen Summen sind sie häufig auf ausländische Investoren angewiesen. Der Startup-Verband kritisierte kürzlich die eklatanten Unterschiede im internationalen Vergleich:

  • In den USA flossen 2025 pro Kopf mehr als 700 Euro in Start-ups
  • In Großbritannien waren es fast 300 Euro
  • Frankreich investierte mehr als 100 Euro pro Kopf
  • In Deutschland lag der Wert bei nicht einmal 90 Euro

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst kommentiert die Situation: „Viele Start-ups kommen voran, aber ebenso viele kämpfen mit der schwierigen konjunkturellen Lage. Was allen helfen würde: leichterer Zugang zu öffentlichen Aufträgen, weniger Regulierung und mehr Möglichkeiten, Daten für innovative Services und Technologien einzusetzen.“ Deutschland habe in den vergangenen Jahren zwar ein wettbewerbsfähiges Startup-System aufgebaut, doch gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten benötige die Branche verstärkte Unterstützung der Politik.

Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass Deutschland als Gründungsstandort an Attraktivität verloren hat. Während einige Start-ups von verbesserten Bedingungen profitieren, kämpfen viele mit regulatorischen Hürden, Kapitalmangel und wirtschaftlicher Unsicherheit. Die Politik steht vor der Herausforderung, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass innovative Unternehmen nicht nur gegründet, sondern auch langfristig in Deutschland gehalten werden können.

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