Start-up-Szene in Mecklenburg-Vorpommern: Auf der Suche nach dem nächsten Einhorn
Start-ups in MV: Wo ist das nächste Einhorn?

Start-up-Szene in Mecklenburg-Vorpommern: Auf der Suche nach dem nächsten Einhorn

Die Gründerszene in Mecklenburg-Vorpommern präsentiert sich mit innovativen Ideen, von einem riesigen Wasserstoff-Tanker über Entengrütze als Nahrungsmittel bis hin zu Kaltem Plasma für die Wundheilung. Diese jungen, technologiegetriebenen Unternehmen versprechen nicht nur wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch zukünftige Steuereinnahmen und Arbeitsplätze für das Bundesland. Dennoch bleibt der Weg für Gründer steinig, kostspielig und mit dem ständigen Risiko des Scheiterns behaftet.

Gründungswerft als Motor der Szene

Seit ihrer Gründung im Jahr 2021 an der Universität Greifswald hat sich die Gründungswerft zur größten Gründungsinitiative Norddeutschlands entwickelt. Mit über 450 Mitgliedern, darunter Gründer, Berater und Investoren, schafft sie ein positives Umfeld für innovative Persönlichkeiten. Geschäftsführer Chuck Henjes äußert sich optimistisch: „Wir sind davon überzeugt, dass die Einzigartigkeit unserer Szene Mecklenburg-Vorpommern in wenigen Jahren zu einem Top-Standort für Start-ups machen wird.“ Diese Initiative zielt darauf ab, Ermutigung und Wachstumschancen für junge Unternehmen im Nordosten zu bieten.

Start-up-Landschaft im Bundesvergleich

Aktuell ist die Start-up-Szene in Mecklenburg-Vorpommern noch überschaubar. Laut dem Bundesverband Deutsche Startups gibt es im Land lediglich 158 aktive potenzielle Wachstumsfirmen, was zehn Unternehmen pro 100.000 Einwohner entspricht. Damit belegt MV Platz 14 unter den 16 Bundesländern, nur Thüringen und Sachsen-Anhalt schneiden schlechter ab. Die Neugründungszahlen zeigen ebenfalls Schwächen: Im Jahr 2025 wurden nur 17 Start-ups gegründet, ein leichter Anstieg gegenüber 2024, aber bundesweit die niedrigste Zahl. Bundesweit stieg die Gründungszahl auf einen Rekord von 3.568 Unternehmen, ein Plus von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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Politische Initiativen für bessere Bedingungen

Die Politik in Mecklenburg-Vorpommern hat die Bedeutung von Start-ups erkannt, wie eine aktuelle Debatte im Landtag unterstreicht. Die CDU hat einen Antrag eingebracht, der bessere Rahmenbedingungen für innovative Gründer schaffen soll. Zu den Vorschlägen gehören:

  • Eine bessere Anpassung öffentlicher Förderprogramme an die Bedürfnisse von Start-ups.
  • Die Öffnung der Technologieförderung des Landes für die Vorgründungsphase, in der Machbarkeitsstudien und Business-Pläne entwickelt werden.
  • Die Verbesserung des Zugangs zu Risikokapital durch regionale Geldgeber und Co-Investment-Modelle mit öffentlichen Fonds.

Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) unterstützt diese Bestrebungen und setzt sich für mehr innovative Gründungen ein. Kürzlich besuchte er mit einer Delegation die University of Texas Medical Branch, um zu erfahren, wie Forschungsergebnisse erfolgreich in die Wirtschaft transferiert werden können.

Erfolgsgeschichten und zukünftige Einhörner

Trotz der Herausforderungen gibt es bereits Leuchtturmprojekte in Mecklenburg-Vorpommern. Das Pharmaunternehmen Cheplapharm aus Greifswald, gegründet 1998, gilt als erstes Einhorn des Landes mit einer Bewertung von über einer Milliarde Euro. Das Unternehmen vermarktet spezialisierte Arzneimittel nach Ablauf des Patentschutzes, beschäftigt mehr als 780 Mitarbeiter und erzielte 2024 einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro.

Ein vielversprechender Kandidat für das nächste Einhorn ist der Rostocker Jungunternehmer Paul Louis Kiesow mit seiner Firma Hytra UG. Sein Projekt umfasst die Entwicklung eines 60.000 Kubikmeter fassenden Wasserstoff-Tankers, der größer ist als alle bisherigen Modelle. Nach der Patentierung im Jahr 2024 gelang es ihm 2025, einen Investor aus Katar für eine Investition von zehn Millionen Euro zu gewinnen. Kiesow plant, bis 2028 einen Demo-Tanker zu bauen und bis 2030 den ersten Großtanker in Asien fertigen zu lassen. „Spätestens dann sind wir über eine Milliarde wert“, so seine ambitionierte Prognose.

Diese Beispiele zeigen, dass Mecklenburg-Vorpommern trotz aktueller Schwächen das Potenzial hat, eine dynamische Start-up-Szene aufzubauen. Mit politischer Unterstützung und engagierten Initiativen könnte das Bundesland zukünftig mehr innovative Unternehmen hervorbringen und seine Wirtschaftskraft stärken.

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