Für ein paar Dollar am Tag trainieren Menschen in Indien KI-Roboter, die ihnen künftig die Arbeit wegnehmen könnten. Sie tragen dafür ein Kameragestell am Kopf, das von der Stirn abwärts filmt und jeden Handgriff festhält. Haushaltskräfte in Mittelschichtswohnungen lassen sich so beim Geschirrspülen beobachten, Fabrikarbeiter schneiden ihre Handgriffe am Fließband mit, und Gemüseverkäufer liefern Anschauungsmaterial darüber, wie sie ihre Waren sortieren und frische Kräuterbündel schnüren.
Hintergrund: Der Mangel an Robotertrainingsdaten
Dahinter steht eine Reihe von Tech-Start-ups, die in Indiens Hunderten Millionen Arbeitskräften die Lösung für eines der größten Probleme beim Sprung der Künstlichen Intelligenz in die physische Welt sehen: den eklatanten Mangel an hochwertigen Trainingsdaten für Roboter. Während KI-Firmen wie OpenAI im Internet haufenweise Material finden, um ihre Sprachmodelle zu verbessern, müssen die Daten, die Robotern den menschlichen Alltag vorführen, erst noch gesammelt werden.
Indien als Datenquelle für Silicon-Valley-Investoren
Indien, das bevölkerungsreichste Land der Welt, bietet dabei die Möglichkeit, riesige Trainingsdatensätze in hoher Geschwindigkeit aufzubauen. Das Vorgehen der KI-Branche löst aber auch massive Ängste aus: Kritiker befürchten, dass diejenigen, die heute zur digitalen Vermessung der Arbeit gebraucht werden, am Ende die größten Verlierer der Entwicklung sein werden.
Die Arbeiter erhalten oft nur wenige Dollar pro Tag für ihre Tätigkeit, während die gesammelten Daten von Start-ups genutzt werden, um Roboter für Haushalts- und Fabrikarbeit zu trainieren. Laut einem Bericht von Mathias Peer vom 24. Juni 2026 sorgt dieses Vorgehen in Indien für Verunsicherung. Ein beteiligter Investor erklärte: „Indien bietet uns die Arbeitskräfte, die wir brauchen, um die KI-Revolution voranzutreiben – aber wir müssen sicherstellen, dass die Menschen davon profitieren.“
Zukunftsaussichten und Kritik
Die Entwicklung wirft ethische Fragen auf: Während die KI-Branche auf billige Arbeitskräfte setzt, um ihre Roboter zu trainieren, könnten genau diese Arbeitskräfte bald durch die Maschinen ersetzt werden. Experten fordern deshalb faire Löhne und Umschulungsprogramme, um die negativen Folgen abzufedern.



