Das Münchner Kernfusions-Start-up Proxima Fusion hat bei einer Finanzierungsrunde 411 Millionen Euro eingeworben und dabei eine Bewertung von mehr als 2,4 Milliarden Euro erreicht. Damit sei man das bestfinanzierte Kernfusionsunternehmen Europas und zähle zu den höchstbewerteten Branchenvertretern weltweit, teilte Proxima mit. An der aktuellen Finanzierungsrunde waren auch RWE und Google beteiligt. Zudem sei mit diesen Zusagen privater Investoren unter Führung von XTX Ventures und East X Ventures eine Bedingung für eine Förderung durch den Freistaat Bayern in Höhe von weiteren 400 Millionen Euro erfüllt.
Gründer sieht Signal für Deutschland und Europa
„Diese Finanzierung zeigt, dass Deutschland und Europa in der Lage sind, internationales Kapital für strategische Zukunftstechnologien zu mobilisieren“, sagt Francesco Sciortino, Mitgründer und Chef von Proxima Fusion. Im Wettlauf mit Rivalen aus den USA und China will Proxima in rund fünf Jahren ein Pilotkraftwerk vorstellen. Mithilfe der Investoren RWE und Google soll in den 2030er-Jahren anschließend eine kommerzielle Magnetfusionsanlage auf dem Gelände des früheren RWE-Kernkraftwerks in Gundremmingen bei Augsburg in Betrieb gehen. Dafür hatten Bayern, RWE und Proxima im Februar eine Absichtserklärung unterzeichnet. Beteiligt ist auch das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, aus dem das Startup hervorgegangen ist. Proxima hat rund 200 Beschäftigte.
Bau des Demonstrationsreaktors „Alpha“ in Garching
Bis Anfang der 2030er-Jahre soll in Garching bei München der Demonstrationsreaktor „Alpha“ entstehen. Allein dieser wird mit zwei Milliarden Euro veranschlagt. Um das Geld aufzubringen, setzt das Unternehmen unter anderem auch auf Geld vom Bund: Man hoffe, dass die Ausschreibung für eine entsprechende Förderung im Herbst komme, sagte eine Sprecherin. Schon jetzt werden Teile für Alpha gefertigt. Der erste Magnet soll Ende nächsten Jahres fertiggestellt werden. Die jetzt eingeholten Mittel fließen ebenfalls in den Bau, die Erweiterung von Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten sowie die Weiterentwicklung zentraler Technologien.
Kernfusion als Hoffnungsträger der Energieversorgung
Anders als in traditionellen Kernkraftwerken soll bei der Kernfusion Energie nicht aus der Spaltung, sondern aus der Verschmelzung von Atomen gewonnen werden. Als Vorzüge nennt die Branche, dass dafür keine gefährliche Kettenreaktion notwendig ist und der Abfall weniger lang und weniger stark strahlt. Allerdings steckt die Technologie noch in der Entwicklungsphase. Die Bundesregierung hat zum Ziel erklärt, dass der erste Fusionsreaktor der Welt in Deutschland gebaut werden soll, um eine weitere Energiequelle zu erschließen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Kernfusion zu einem der wichtigsten Forschungsgebiete in seinem Bundesland erklärt. Die bayerischen Proxima-Konkurrenten Marvel und Gauss zählen ebenfalls zu den Vorzeigeunternehmen der Branche. In den USA und China sind bereits Milliarden in Fusions-Start-ups geflossen. Angesichts der Konkurrenz bleibt abzuwarten, ob sich Proxima Fusion durchsetzen wird. Wissenschaftler forschen bereits seit vielen Jahrzehnten an der Kernfusion. Manchen gilt sie inzwischen als Sackgasse, anderen weiter als große Hoffnung.



