Glasfaser-Frust in Deutschland: Milliardeninvestitionen, aber Verbraucher bleiben skeptisch
Glasfaser-Frust: Warum Deutsche nicht auf schnelles Internet umsteigen

Glasfaser-Frust in Deutschland: Milliardeninvestitionen, aber Verbraucher bleiben skeptisch

Deutschland investiert seit Jahren Milliardenbeträge in den Ausbau schneller Internetnetze, doch der erhoffte Durchbruch bleibt aus. Millionen Haushalte verzichten weiterhin auf die Nutzung moderner Glasfaserleitungen, obwohl die Infrastruktur vielerorts bereits vorhanden ist. Rund jeder fünfte Anschluss bleibt nach dem Ausbau sogar komplett ungenutzt. Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Vergleichsportals Verivox, die BILD vorab einsehen konnte, enthüllt die Gründe für diese verblüffende Zurückhaltung.

Preis schlägt Technik: Verbraucherprioritäten überraschen Branche

Laut der Umfrage sagen 65 Prozent der DSL- und Kabelkunden, dass ein günstiger Tarif der wichtigste Grund für einen Wechsel zu Glasfaser wäre. Damit liegt der Preis deutlich vor Argumenten wie höherer Geschwindigkeit oder stabilerer Verbindung, die jeweils nur 52 Prozent der Befragten nennen. Für die Glasfaser-Branche stellt dieses Ergebnis eine klare Ohrfeige dar. Seit Jahren werben Anbieter intensiv mit Gigabit-Versprechen und technologischen Vorteilen, doch offenbar verfehlen sie damit den wichtigsten Wunsch der Verbraucher.

Diese Diskrepanz ist besonders bemerkenswert, da Bund und Länder umfangreiche Förderprogramme aufgelegt haben, vor allem für Regionen, in denen sich Glasfaser wirtschaftlich kaum lohnt. Parallel investieren auch Telekom, Vodafone und andere Anbieter hohe Summen in neue Leitungen. Seit 2021 ist der Anteil der Haushalte mit gigabitfähigem Anschluss bis ins Gebäude oder in die Wohnung stark gestiegen und lag Mitte 2025 bei rund 43 Prozent. Trotz dieser Fortschritte bleibt vielerorts noch erhebliches Potenzial ungenutzt.

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Nutzungslücke: Verfügbarkeit bedeutet nicht automatisch Akzeptanz

Die Zahlen verdeutlichen das Problem in aller Schärfe: Zwar haben bereits 24,3 Millionen Haushalte Glasfaser in ihrer Straße liegen, doch nur etwa die Hälfte davon lässt sich den Anschluss tatsächlich ins Haus legen. Von dieser Gruppe wiederum bucht lediglich rund die Hälfte einen Glasfaser-Tarif. Im Endeffekt nutzen derzeit nur etwa 6,6 Millionen Haushalte die moderne Technik aktiv.

Breitbandmarkt-Experte Jörg Schamberg vom Vergleichsportal Verivox kommentiert: „Der Preis wird in der Glasfaser-Vermarktung bislang unterschätzt. Dabei kann Glasfaser für Neukunden heute schon günstiger sein als DSL, bei gleichzeitig besserer Leistung.“ Viele Verbraucher wechseln demnach nur, wenn sich eine besonders günstige Gelegenheit ergibt, nicht aus Überzeugung für die technischen Vorteile.

Wechselmotivation: Preis dominiert technische Argumente

Auch unter den bestehenden Glasfaser-Nutzern spielte der Preis eine entscheidende Rolle. Jeder Zweite wechselte vor allem wegen eines attraktiven Angebots oder einer günstigen Gelegenheit. Nur knapp ein Drittel entschied sich bewusst wegen der technischen Vorteile für den Umstieg. Bemerkenswert ist zudem, dass zehn Prozent der Befragten sich grundsätzlich gar nicht von Glasfaser überzeugen lassen wollen.

Immerhin zeigt die Umfrage einen positiven Trend: Wer einmal auf Glasfaser umgestiegen ist, bleibt meist dabei. Mehr als jeder zweite Glasfaser-Kunde (52 Prozent) kann sich einen Wechsel zurück zu DSL oder Kabel nicht mehr vorstellen. Viele loben insbesondere die verbesserte Stabilität und das höhere Tempo. Mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis sind 69 Prozent der Nutzer zufrieden.

Parallelen zum mobilen Internet: Günstige Preise als Schlüssel

Experte Schamberg sieht interessante Parallelen zur Entwicklung des mobilen Internets: „Erst günstigere Preise und neue Anwendungen haben dort den Durchbruch gebracht.“ Ähnliches könnte auch bei Glasfaser passieren – vorausgesetzt, die Tarife fallen weiter und der Bedarf an leistungsfähigen Anschlüssen steigt kontinuierlich an.

Die Situation verdeutlicht eine grundlegende Herausforderung der deutschen Digitalisierung: Selbst wenn die technische Infrastruktur vorhanden ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass Verbraucher sie auch tatsächlich nutzen. Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass eine stärkere Fokussierung auf preislich attraktive Angebote notwendig ist, um die Akzeptanz von Glasfaser in der Breite der Bevölkerung zu erhöhen.

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