Glasfaser-Umstieg: Günstige Tarife sind der entscheidende Faktor für Verbraucher
Der Wechsel von DSL oder Kabelinternet auf Glasfaser wird für die meisten Verbraucher in Deutschland vor allem durch finanzielle Anreize motiviert. Eine aktuelle Umfrage des Instituts Innofact im Auftrag von Verivox offenbart, dass knapp zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) primär dann auf die moderne Technologie umsteigen würden, wenn besonders günstige Tarife oder attraktive Angebote verfügbar sind.
Technische Vorteile folgen auf Platz zwei
Neben dem Kostenpunkt spielen auch die technischen Eigenschaften von Glasfaser eine gewichtige Rolle. Jeweils 52 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass höhere Übertragungsgeschwindigkeiten sowie eine stabilere Internetverbindung wichtige Wechselgründe darstellen könnten. Im Gegensatz dazu werden Faktoren wie das Vertrauen in einen bekannten Anbieter (26 Prozent) oder die potenzielle Wertsteigerung der eigenen Immobilie (16 Prozent) deutlich seltener als ausschlaggebend bewertet.
Interessanterweise zeigt sich bei bereits aktiven Glasfaser-Nutzern ein ähnliches Bild: Mehr als die Hälfte (52 Prozent) entschied sich aufgrund eines guten Angebots oder einer günstigen Gelegenheit für den Umstieg. Lediglich knapp ein Drittel (31 Prozent) nannte die generellen technischen Vorteile wie Stabilität und Geschwindigkeit als Hauptmotivation.
Praktische Tipps für einen erfolgreichen Wechsel
Die Stiftung Warentest gibt Verbrauchern mehrere Empfehlungen an die Hand, um den Glasfaser-Umstieg sicher und vorteilhaft zu gestalten:
- Kein Druck an der Haustür: Lassen Sie sich nicht von Vertretern unter Druck setzen, die ein baldiges Aus des DSL-Kupfernetzes prophezeien. Ein endgültiges Abschalten ist vor 2035 nicht zu erwarten und erfolgt erst, wenn Glasfaser nahezu flächendeckend verfügbar ist.
- Kostenloser Anschluss nutzen: Eigentümer in Ausbaugebieten können profitieren, indem sie beim ausbauenden Anbieter einen Zweijahresvertrag abschließen – in der Regel erhalten sie dann den Glasfaseranschluss kostenlos. Andernfalls können Kosten von 500 bis 1.000 Euro anfallen.
- Vergleichen vor Vertragsabschluss: Nehmen Sie sich Zeit, um verfügbare Tarife genau zu vergleichen, etwa über Vergleichsportale oder direkt bei Anbietern. Vertreter arbeiten oft auf Provisionsbasis und bieten nicht zwangsläufig die günstigsten Optionen an.
- Passende Geschwindigkeit wählen: Für viele Haushalte reicht ein Glasfaseranschluss mit 300 Mbit/s vollkommen aus, etwa für Streaming oder Homeoffice. Dies ist bei den meisten Anbietern für rund 40 Euro monatlich erhältlich.
- Widerrufsrecht nutzen: Bei Unsicherheiten können Verbraucher das zweiwöchige Widerrufsrecht in Anspruch nehmen, das für Verträge an der Haustür, im Internet oder am Telefon gilt.
Bundesgerichtshof-Urteil mit weitreichenden Folgen
Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 8. Januar 2026 (Az.: III ZR 8/25) hat klargestellt, dass die Vertragslaufzeit für Glasfaseranschlüsse bereits mit dem Vertragsschluss beginnt und nicht erst ab der Bereitstellung des Anschlusses. Der Vertragsschluss ist typischerweise der Zeitpunkt, an dem die Auftragsbestätigung eingeht.
Diese rechtliche Aussage ist nicht auf Glasfaser beschränkt, sondern kann auch für bestehende DSL-, Kabel- oder andere Internetverträge relevant sein. Viele Verbraucher könnten dadurch Verträge früher kündigen als gedacht und teure Endmonate vermeiden, in denen Boni wie Gutschriften oft nicht mehr gelten.
Allerdings haben einige Anbieter nach dem BGH-Urteil ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) möglicherweise angepasst. In solchen Fällen beginnt die Mindestvertragslaufzeit erst mit der Schaltung des Anschlusses, wobei eine Kündigung vor diesem Termin ohne Frist möglich ist. Verbraucherzentralen haben bereits Abmahnungen gegen solche Praktiken ausgesprochen, und weitere Gerichtsverfahren werden erwartet.
Verbrauchern wird empfohlen, die Vertragsdaten im Kundenportal oder auf monatlichen Rechnungen zu prüfen. Bei falschen Angaben sollte der Anbieter schriftlich zur Korrektur aufgefordert werden – die Verbraucherzentralen stellen dafür einen Musterbrief zur Verfügung.



