Aushilfen sichern längere Schleusenzeiten an der Seenplatte
Aushilfen sichern Schleusenzeiten an der Seenplatte

Not macht erfinderisch: Eine Idee, die im Sommer vor zwei Jahren aus der Not heraus geboren wurde, hat sich bewährt. Den dritten Sommer in Folge werden in dieser Saison Aushilfskräfte an den Wasserstraßen in der Mecklenburgischen Seenplatte Unterstützung beim Schleusendienst leisten. Organisiert wird der Aushilfsdienst vom Rechliner Bootscharterer Kuhnle-Tours.

Schleusenzeiten verkürzt wegen Personalmangel

Die Bedienung der Schleusen obliegt normalerweise den Mitarbeitern der Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter (WSA) des Bundes, in diesem Fall dem WSA Oder-Havel mit Sitz in Eberswalde. Das Schifffahrtsamt hatte im Frühjahr 2024 jedoch mitgeteilt, aufgrund von Personalmangel im Sommer nicht mehr die gewohnten Schleusenzeiten im vollen Umfang von 7 bis 21 Uhr abdecken zu können. Daraufhin sprang der Bootsvermieter von Müritz in die Bresche und setzte innerhalb weniger Wochen die Idee vom Aushilfsdienst um.

Ferienjobber, Studenten und überwiegend Rentner würden auch in diesem Sommer wieder vom 1. Juni bis zum 31. August Spätschichten übernehmen, sagt Dagmar Rockel-Kuhnle von Kuhnle-Tours. Unterstützt wird an der Oberen Havel-Wasserstraße an der Schleuse Wesenberg sowie an der Müritz-Havel-Wasserstraße an den Schleusen Mirow, Diemitz, Strasen und Canow.

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Festes Team pro Schleuse

Idealerweise werde ein festes Aushilfsteam von vier Kräften pro Schleuse ausgebildet, welches den Standort dann nicht mehr wechselt. Denn jede Schleuse habe ihre Eigenheiten und Befindlichkeiten. „Die Schleuse Wesenberg etwa ist 80 Jahre alt. Das ist wie bei einem Oldtimer, da muss man mitunter wissen, wie die zu behandeln sind“, erklärt Dagmar Rockel-Kuhnle.

Größtes Wassersportgebiet Europas

Trotz der „Oldtimer-Schleuser“ stellen die Wasserwege zwischen der Müritz, der Oberen Havel und Brandenburg nicht nur das größte, zusammenhängende Wassersportgebiet Europas dar, sondern befinden sich hier auch die am höchsten frequentierten Wasserstraßen Deutschlands. Es sind zwar überwiegend kleine Freizeitboote und Paddler, die an der Seenplatte geschleust werden wollen. Trotzdem: „Ohne die längeren Schleusenzeiten im Sommer würde Wildwest vor den Schleusen herrschen“, ist sich Dagmar Rockel-Kuhnle sicher.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt sei mit der Zusammenarbeit „sehr zufrieden“, sagt Regina Jeske aus der Pressestelle des WSA Oder-Havel. Laut dem Schifffahrtsamt soll die Aushilfe jedoch nicht zum Dauermodell werden – allerdings sagt das Amt auch nicht, wie es in den kommenden Jahren anders laufen könnte. Auf lange Sicht sollen alle Schleusen automatisiert werden, hieß noch vor einigen Jahren. Ob es dabei bleibt und bis wann das passieren soll, sei aktuell jedoch nicht abzuschätzen. „Leider ist ein Blick in die Zukunft unmöglich“, sagt Regina Jeske.

Schleuse Steinhavel seit 2025 automatisiert

Wenigstens wurde eine weitere Schleuse zuletzt erneuert und arbeitet seit dem Vorjahr automatisiert. Wurde im Sommer vor zwei Jahren noch an der Schleuse Steinhavel bei Fürstenberg ausgeholfen, so ist das seit dem Vorjahr nicht mehr nötig. An der Staustufe wurden alle Wasserbauwerke für mehrere Millionen Euro ersetzt. Seit Saisonbeginn 2025 läuft die Schleuse in halb-automatischer Selbstbedienung.

Weiter westlich, in der Müritz-Elde-Wasserstraße, gibt es ebenfalls noch Schleusen, die von Personal bedient werden, etwa die in Plau am See. Allerdings ist hier das Verkehrsaufkommen auf dem Wasser nicht so hoch, kürzere Schleusenzeiten im Sommer sind daher ausreichend. Bei Kuhnle-Tours stellen sie sich darauf ein, auch in den nächsten Jahren noch an den Schleusen an der Seenplatte einzuspringen.

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