Estland eröffnet spektakuläre Eisstraße über zugefrorenes Meer
Wegen der frostigen Temperaturen im Norden Europas hat Estland eine außergewöhnliche Verkehrslösung geschaffen: eine 20 Kilometer lange Eisstraße, die die beiden Hauptinseln Saaremaa und Hiiumaa im Westen des Landes miteinander verbindet. Die offizielle Eröffnung fand am Sonntag statt, nachdem wochenlang Temperaturen von bis zu minus zehn Grad Celsius den Fährverkehr zwischen den Inseln erheblich eingeschränkt hatten.
Aus der Not eine Tugend gemacht
Für die Bewohner der kleineren Insel Hiiumaa ist diese Eisstraße von großer Bedeutung. Sie nutzen die Route regelmäßig, um zum Einkaufen, für Schulbesuche ihrer Kinder oder einfach zum Kaffee trinken auf die größere Insel Saaremaa zu gelangen. Über Saaremaa besteht zudem eine Verbindung zum estnischen Festland, was die Mobilität der Insulaner deutlich verbessert.
Hergo Tasuja, der Bürgermeister von Hiiumaa, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass die Eisstraße zwar aus einer Notwendigkeit heraus entstanden sei, aber auch Teil unserer Kultur darstelle. Es handle sich im Grunde um einen markierten Korridor auf dem zugefrorenen Meer, der von Experten auf seine Tragfähigkeit geprüft wurde.
Strenge Sicherheitsvorkehrungen und Wartung
Die Instandhaltung der Eisstraße erfordert jedoch erheblichen Aufwand. Marek Koppel von der estnischen Baufirma Verston Eesti, die für die Verwaltung zuständig ist, erklärte, dass Arbeiter alle 100 Meter die Eisdicke messen müssen. Nur an Stellen, wo das Eis mehr als 24 Zentimeter dick ist, gilt die Fahrt als sicher. Zudem werden poröse Stellen im Eis geglättet, und die Witterungsverhältnisse sowie die Festigkeit des Eises werden rund um die Uhr überwacht.
Für Fahrzeuge gelten strenge Regeln:
- Maximalgewicht von 2,5 Tonnen
- Geschwindigkeit entweder unter 20 km/h oder zwischen 40 und 70 km/h, um Vibrationen zu vermeiden
- Kein Anhalten auf der Strecke
- Einhalten eines Sicherheitsabstands zu anderen Fahrzeugen
- Passagiere dürfen keine Sitzgurte tragen, und Autotüren müssen leicht zu öffnen sein, für schnelle Evakuierung im Notfall
Positive Resonanz und weitere Pläne
Alexei Ulyvanov aus Tallinn, der die Eisstraße mit seinen Kindern testete, berichtete: Die Straße war ziemlich gut, sie war leicht zu befahren. Er wollte seinen Kindern demonstrieren, dass es möglich ist, ein Auto über das Meer zu fahren.
Die letzte Eisstraße zwischen Saaremaa und Hiiumaa gab es laut Bürgermeister Tasuja vor etwa acht Jahren, da die Winter in der Zwischenzeit zu warm waren. Nun plant Verston Eesti, in dieser Woche zwei weitere Eisstraßen zu eröffnen, die das estnische Festland mit kleineren Inseln verbinden sollen.



