Eurowings-CEO Max Kownatzki kritisiert deutsche Standortnachteile
Der neue Vorstandsvorsitzende von Eurowings, Max Kownatzki, hat in einem exklusiven Interview auf der ITB 2026 in Berlin vor erheblichen Wettbewerbsnachteilen für die deutsche Luftfahrtbranche gewarnt. Seit seinem Amtsantritt vor vier Wochen betont der CEO die erfolgreiche Transformation der Fluggesellschaft, sieht aber weiterhin strukturelle Probleme am deutschen Standort.
Von Billig- zur Value-Airline: Die erfolgreiche Neuausrichtung
„Heute ist Eurowings eine Value Airline für Europa“, erklärt Kownatzki im Gespräch. „Wir bieten weiterhin preiswerte Tickets, haben aber unser Produkt- und Serviceangebot deutlich aufgewertet.“ Nach einer schwierigen Phase mit Verlusten habe die Airline den Turnaround geschafft und schreibe seit mehreren Jahren konsequent schwarze Zahlen. Diese strategische Neuausrichtung habe sich sowohl bei den Kunden als auch in der Profitabilität bewährt.
Eine komplette Revolution plant der neue CEO allerdings nicht. „Ich bin nicht jemand, der zur Tür reinkommt und sagt: Jetzt machen wir alles anders“, so Kownatzki. Stattdessen setze er auf die kontinuierliche Weiterentwicklung der bereits erfolgreichen Strategie.
Deutschland als teurer Standort: Die Kostenproblematik
Ein zentrales Problem bleibt laut Kownatzki der Standort Deutschland. Während Treibstoff weiterhin etwa 30 Prozent der Betriebskosten ausmache, entfielen inzwischen weitere 30 Prozent allein auf staatliche Abgaben. „Ob Luftverkehrssteuer, Sicherheitsgebühren oder Flugsicherungsentgelte: Bei allen drei Punkten haben wir eine signifikante Wettbewerbsbenachteiligung in Deutschland“, kritisiert der Eurowings-Chef.
Die für den 1. Juli geplante Senkung der Luftverkehrssteuer sieht er nicht als Anlass für sofortige Ticketpreissenkungen. „Wenn zwei Tage nach einer überfälligen Kostenentlastung der Branche sofort wieder eine Diskussion um die Senkung von Ticketpreisen beginnt, haben wir die prekäre Lage hierzulande nicht verstanden“, betont Kownatzki. Der deutsche Luftverkehr liege teilweise noch unter dem Niveau von 2019, also vor der Corona-Pandemie.
Die Konsequenzen dieser Kostennachteile seien weitreichend: „Deshalb streichen Airlines Strecken in Deutschland oder verlagern sie an kostengünstigere Standorte, einfach weil es sich nicht mehr rechnet.“
Berlin als Erfolgsgeschichte trotz schwieriger Bedingungen
Trotz der allgemeinen Herausforderungen entwickelt sich Berlin laut Kownatzki zu einer echten Erfolgsstory für Eurowings. Die Fluggesellschaft habe ihre Präsenz in der Hauptstadt von ursprünglich drei auf inzwischen neun Flugzeuge ausgebaut. „Berlin entwickelt sich trotz der schwierigen Umfeldbedingungen zu einer Erfolgsstory für Eurowings“, freut sich der CEO.
Neue Zielgruppen und Premium-Angebote
Mit dem neuen „Premium BIZ Sitz“ will Eurowings gezielt zahlungskräftigere Kunden ansprechen – sowohl auf wichtigen City-Strecken wie Berlin-London als auch bei beliebten Urlaubszielen wie Mallorca. „Mit dem Premium-Angebot unterstreichen wir zudem unsere Positionierung als Value-Airline, die sich immer stärker vom klassischen Billigflieger-Modell abhebt“, erklärt Kownatzki.
Zur Expansion in die Golf-Region äußert sich der CEO zurückhaltend: „Bezogen auf unser gesamtes Angebot macht die Golf-Region bisher nur zweieinhalb Prozent der Sitze aus. Das ist finanziell zu verschmerzen, aber dennoch hoffen wir natürlich, dass sich die Situation in der Krisenregion so schnell wie möglich entspannt – vor allem mit Blick auf die Menschen vor Ort.“
Insgesamt zeigt sich Max Kownatzki zuversichtlich für die Zukunft von Eurowings, betont aber gleichzeitig die dringende Notwendigkeit, die strukturellen Wettbewerbsnachteile des deutschen Luftfahrtstandorts zu reduzieren. Nur so könne die Branche langfristig erfolgreich bleiben und weiter wachsen.



