Abschied von der FKK-Kreuzfahrt: Sieben Kilo Klamotten bleiben ungenutzt
Grand Stirrup Cay (Bahamas) – Am elften und letzten Tag meiner außergewöhnlichen Reise auf dem FKK-Dampfer ziehe ich ein überraschendes Fazit: Die sieben Kilogramm Gepäck, die ich an Bord gebracht habe, waren fast vollständig überflüssig. Eigentlich hätten Sonnenbrille, Strohhut, Blumenkette und Flipflops völlig ausgereicht. Die mitgeschleppte Kleidung blieb größtenteils unberührt in der Kabine – ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass ich nach der Rückkehr nach Berlin kaum Wäsche waschen muss.
Flamingo und Ananas: Diskretes Zeichen mit unerwarteter Bedeutung
Mein Gepäck enthielt neben der unnötigen Bekleidung auch einen Ananas-Trinkbecher und einen pinkfarbenen Flamingo-Schwimmreifen, die ich zunächst für amüsante Accessoires hielt. Auf Kreuzfahrtschiffen dienen Flamingos und Ananas jedoch oft als diskrete Symbole für Swinging oder Partnertausch-Interessen. Aus diesem Grund verbannte ich den Vogel ab dem zweiten Reisetag vorsichtshalber in die Kabine. Erst am letzten Tag wagte ich es, den Flamingo noch einmal schwimmen zu lassen.
„Wenn man keine Kleider anhat, sind alle gleich“
Die Kreuzfahrt endet dort, wo sie begann: auf Grand Stirrup Cay, einer Privatinsel der Reederei. Die weißen Sandstrände und das türkisfarbene Wasser bieten eine idyllische Kulisse. Alan (61) aus Virginia, den ich nackt im angenehm kühlen Wasser traf, fasst die Stimmung treffend zusammen: „Es ist wie auf dem Schiff, nur mit Sand.“ Für ihn und seine Frau war es die erste FKK-Kreuzfahrt, und sie planen bereits eine Wiederholung. „Es war fantastisch, wie freundlich hier alle sind. Wenn man keine Kleider anhat, sind alle gleich. Es gibt keine Reichen oder Armen, wir hängen einfach alle zusammen ab“, erklärt der Netzwerk-Techniker.
Nackt-Volleyball mit Profis und Halbprofis
Nur 200 Meter entfernt findet das Nackt-Volleyball-Turnier im Sand statt. Männer und Frauen spielen in getrennten Teams, während der Sand an den schwitzenden Körpern klebt. Das sportliche Niveau ist bemerkenswert hoch, und der Entertainment-Faktor überzeugt. Unter den Teilnehmern befinden sich Profis und Halbprofis, darunter Organisator Eli (39), dessen Vater im US-Nationalteam spielte. „Ich bin Nudist in der dritten Generation, ich führe die Tradition weiter“, betont er. Eli organisiert in den gesamten USA Nackt-Volleyball-Turniere und gilt als eine Art König in der US-Nudisten-Szene. Sein Team schaffte es bis ins Finale, unterlag dort jedoch einem riesigen Amerikaner mit Vollbart und Militär-Sonnenbrille. Das „Big Nude Boat“ hatte ein Preisgeld von 5000 Dollar ausgelobt.
Nackter Ukulele-Auftritt im „Stardust Theater“
Am letzten Abend stand mein großer Auftritt in der „Talent-Show“ im halbgefüllten „Stardust Theater“ an. Vor etwa 400 Zuschauern trat ich nackt auf die Bühne – die Sonnenbrille half mir, mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren, ohne das Publikum genau zu erkennen. Bewaffnet mit einer Ukulele spielte ich „Stand by your Man“ und konnte die geübten Akkorde sicher umsetzen. Während des Auftritts erinnerte ich mich an die Worte einer Nudistin: „Wir kommen nackt zur Welt und fahren nackt wieder in die Erde.“ Jetzt verstehe ich vollkommen, was sie damit meinte.
Resümee einer ungewöhnlichen Reise
Mit dem Schließen des Vorhangs endete nicht nur die Show, sondern auch meine außergewöhnliche Reise. Am nächsten Morgen gehen wir in Miami an Land. Ein Fazit steht bereits fest: Es hat großen Spaß gemacht. Ich hoffe, dass auch die BILD-Leser Freude an meinem Logbuch fanden und einen Einblick in diese besondere Welt des Nudismus auf See erhalten haben.



