Ende einer Ära: Frank Weinbar am Odeonsplatz schließt nach acht Jahren
Die beliebte Frank Weinbar am Odeonsplatz wird im September vorerst ihre Türen schließen. Nach acht erfolgreichen Jahren geben die Betreiber Candy Calligaro und Felix Neuner-Duttenhofer auf. Der Grund für das Aus ist ein tiefgreifendes Zerwürfnis mit dem Fränkischen Weinbauverband, dem Verpächter der Räumlichkeiten.
Fehlende Vertragssicherheit als Hauptproblem
Ursprünglich war der Pachtvertrag auf fünf Jahre angelegt, doch zuletzt gab es nur noch Jahresverträge. „Letztendlich kannst du dadurch jedes Jahr gekündigt werden – und dann wird es schwierig“, erklärt Candy Calligaro. Diese Unsicherheit machte langfristige Investitionen, Personalplanung und Konzeptentwicklung nahezu unmöglich. Die Betreiberin wünschte sich einen Vertrag über mehrere Jahre, doch der Verband blieb hart.
Ein weiterer Streitpunkt war die sogenannte „Reinvestitionspacht“. 2018 hatten der Weinbauverband und zehn fränkische Winzer gemeinsam in den Umbau der Weinbar investiert. Diese Summe wurde über eine Investitionspacht refinanziert, die in diesem Jahr ausgelaufen wäre. Nun forderte der Verband jedoch eine zusätzliche Pacht für künftige Investitionen – eine Forderung, die Calligaro als „utopisch“ bezeichnete.
Einschränkungen bei der Weinauswahl
Von Beginn an waren die Betreiber verpflichtet, Weine der zehn beteiligten Winzer abzunehmen. Erst später erhielten sie die Erlaubnis, auch andere fränkische Weingüter in die Karte aufzunehmen. Zuletzt forderten sie volle Freiheit bei der Auswahl, da sie genau wissen, was in München gefragt ist. „Wir haben Gäste, die geben zu zweit 800 Euro aus und freuen sich“, so Calligaro. Sie betont, dass der Erfolg der Weinbar vor allem ihrem Team zu verdanken sei, das Pionierarbeit für Frankenwein in München geleistet habe.
Probleme mit der Stadt München
Nicht nur der Verband, auch die Stadt München erschwerte den Betrieb. Regelmäßig führten Veranstaltungen wie der München-Marathon dazu, dass die Außengastronomie kurzfristig geräumt werden musste. „Beim München-Marathon letzten Oktober etwa habe niemand darauf hingewiesen, dass die Strecke direkt am Lokal vorbeiführt“, kritisiert Calligaro die mangelnde Kommunikation. Solche Vorfälle zwangen die Weinbar immer wieder zur vorübergehenden Schließung.
Folgen für den Frankenwein in München
Mit der Schließung der Frank Weinbar fließen in München jährlich rund 19.000 Liter weniger Frankenwein. Dies ist ein weiterer Rückschlag für den fränkischen Weinbau in der Landeshauptstadt, nachdem bereits Ende 2025 der traditionsreiche Ratskeller geschlossen hatte. Die Betreiberin fühlt sich dennoch „erlöst“ und blickt auf eine erfolgreiche Zeit zurück, in der sie das Image des Frankenweins in München nachhaltig geprägt haben.



