Bei Erzählungen über Island beginnt bei Volker Janke sofort das Kopfkino: tanzende Polarlichter über tiefschwarzem Lavasand, Gletscher, die sich glitzernd ins Meer ergießen, und ein Himmel, der selbst mittags nur gedämpftes Licht spendet. „Im Winter ist diese Stimmung wie eine einzige goldene Stunde, nur eben den ganzen Tag“, sagt der Schweriner Fotograf. Seit fast drei Jahrzehnten zieht es ihn immer wieder auf die nordatlantische Insel, inzwischen rund zehnmal.
Zwischen Feuer und Eis: Jankes Island-Leidenschaft
Was mit einer geführten Wikingerreise 1996 begann, ist längst zu einer Leidenschaft geworden. „Damals wussten wir kaum, wie schwierig Island zu bereisen ist. Aber nach wenigen Stunden war klar: Diese Insel sehen wir nicht zum letzten Mal“, sagt Janke. Seither reist er mit Kamera und Neugier über die Insel und die Kontinente, mit einem Fuß auf der eurasischen, mit dem anderen auf der amerikanischen Platte. Seine Faszination gilt den Gegensätzen: eruptiver Vulkanismus und stille Eisflächen, pechschwarze Strände, auf denen Eisschollen wie Glasdiamanten liegen. „Dieses Zusammenspiel aus Urgewalt und Sanftheit, verbunden mit dem besonderen Licht, ist einfach unvergleichlich“, so Janke.
Vom Dia zur Zeitrafferkunst: Tausende Bilder pro Nacht
Gerade der Winter hat es ihm angetan, mit langen Nächten, klarer Luft und dieser fast magischen Dämmerung, in der sich Farben verändern, ohne dass die Sonne aufgeht. Mit der Zeit wandelte sich auch Jankes Arbeitsweise. Aus analogen Diafilmen wurden digitale Langzeitaufnahmen, aus Fotografien bewegte Bilder. „Früher brachte man vielleicht 200 Aufnahmen mit nach Hause. Heute entstehen in einer Nacht leicht ein- bis zweitausend Bilder, die man später zu Sequenzen animieren kann“, sagt der Schweriner. So werden aus starren Motiven kurze Filme: Der Sternenhimmel zieht langsam weiter, während grüne Polarlichter wie Schleier am Firmament wabern.
Ausstellung in Schwerin: Best-of-Reisen und Live-Vortrag
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Ausstellung, die anlässlich des Filmkunstfestes Mecklenburg-Vorpommern ab dem 5. Mai in Schwerin zu sehen ist. Gemeinsam mit Anke Berger, die die Reise 2025 mit begleitete, zeigt Janke im Capitol zehn großformatige Fotografien, ein „Best of“ vieler Reisen. Parallel läuft im sogenannten Digitalgarten der Schweriner Höfe eine Slideshow mit rund 50 Motiven in Endlosschleife. Und wer die Fotografen persönlich erleben möchte, sollte rechtzeitig zum einstündigen Vortrag in den Brunnenhof der Höfe kommen, die Plätze sind begrenzt. Die Show startet am 6. Mai um 18 Uhr. „Ich hoffe, dass die Besucher für eine Weile in diese Landschaft eintauchen“, sagt Janke. Seine Bilder sind nicht nur Dokumentationen, sondern Momentaufnahmen einer inneren Verbindung zu einer Insel, die ihn seit Jahren begleitet und immer wieder überrascht. Manchmal auch im ganz wörtlichen Sinn: Einmal wurde sein Ferienhaus über Nacht so eingeschneit, dass ihn erst ein Isländer mit dem Radlader „freischaufelte“.
Island im Winter: Gelassen reisen, Wetter als Erlebnis
Trotz des touristischen Booms empfiehlt Janke Neugierigen, Island individuell zu bereisen, am besten im Winter, mit etwas Planung und Gelassenheit: „Man muss das Wetter nehmen, wie es kommt. Die Isländer sagen: Wir haben alle Jahreszeiten und das an einem Tag.“ Mit den Bildern bringen Janke und Berger dieses Wechselspiel nun in die Landeshauptstadt. Zwischen Licht und Lava, Sturm und Stille macht die Ausstellung spürbar, warum Island mehr ist als ein Motiv: Es ist ein nie endendes Staunen über das, was Natur und Kamera gemeinsam erzählen können.



