Historische Stadtführungen in Neubrandenburg starten wieder
Endlich ist es wieder soweit! Seit März finden die beliebten Historischen Stadtführungen in Neubrandenburg wieder regelmäßig statt. An jedem dritten Samstag im Monat können Interessierte an spannenden Touren teilnehmen, die die Vergangenheit der Vier-Tore-Stadt lebendig werden lassen.
Mudder Schulten: Eine Ikone der Stadtgeschichte
Sie ist die wohl bekannteste Bäckerfrau Neubrandenburgs: Mudder Schulten. Mit weißem Käppchen auf dem Kopf und einem geflochtenen Weidenkorb in der Hand schreitet sie durch die Straßen und nimmt ihre Zuhörer mit auf eine Reise in vergangene Zeiten. Ilona Döbbert schlüpft in diese historische Rolle und verrät, wie es ist, diese traditionsreiche Figur zum Leben zu erwecken.
Die Figur Mudder Schulten hat in Neubrandenburg eine lange Tradition. Bereits 1969 trat sie erstmals zur Eröffnung der Stadthalle als historische Stadtfigur auf. Später übernahm Erika Pellwiltz die Rolle, mit der Ilona Döbbert durch ihre gemeinsame Zeit an der Niederdeutschen Bühne eng verbunden war. „Nach ihrem Tod hat man mich gefragt, ob ich für sie weiterspiele. 2018 habe ich die Rolle dann übernommen“, erzählt Döbbert. Diese Entscheidung fiel ihr nicht leicht und erfolgte erst nach einem Jahr der Trauer – auch um den Wunsch ihrer verstorbenen Freundin weiterzutragen.
Von der Recherche zur lebendigen Geschichte
Um der Rolle gerecht zu werden, investierte Ilona Döbbert zunächst viel Zeit in Vorbereitung. „Ich bin bei den anderen Figuren mitgegangen und habe geschaut, was sich auch für meine Tour übernehmen lässt. Jede Figur gestaltet ihre Führung anders“, erklärt sie. Dazu kam intensive Recherchearbeit, die bis heute andauert. Immer wieder entdeckt sie neue Details über die Stadtgeschichte oder über Mudder Schulten selbst, wodurch sich ihre Führungen kontinuierlich weiterentwickeln.
Ein besonderes Detail verrät Ilona Döbbert dabei: Mudder Schulten gab es tatsächlich! „Sie lebte von 1727 bis 1802 und hatte ihre Backstube am Marktplatz“, plaudert sie aus dem Nähkästchen. Wer mehr erfahren möchte, sollte sich einfach auf eine ihrer Touren einlassen.
Eine Reise durch Neubrandenburgs Geschichte
Die Stadtführung mit der ikonischen Bäckerfrau beginnt in der Regel am Marktplatz und führt die Teilnehmer durch bedeutende Stationen der Stadtgeschichte:
- Start am Marktplatz mit Erklärungen zum Stadtplan und dem schachbrettartigen Stadtgrundriss
- Besuch des Fangelturms als historisches Bauwerk
- Betrachtung der Skulptur „Die Trauernde“ und der Figur der Mudder Schulten
- Besichtigung von Kirche, Regionalmuseum und Kloster
- Besuch der alten Wieghäuser und des Friedländer Tors
- Ein Stück entlang des Walls mit Blick auf die ehemalige Stadtbefestigung
- Weiter zu den Mudder-Schulten-Stuben
- Durch die Pfaffenstraße zum Reuterhaus
- Abschluss an der Konzertkirche
Die Geschichte transportiert Ilona Döbbert dabei nicht nur mit Worten – auch kulinarisch kommt man auf seine Kosten. „Ich habe immer frisch gebackene Haferkekse dabei“, erzählt sie mit einem Lächeln.
Vielfalt historischer Persönlichkeiten
Die süße Stärkung soll jedoch nicht dazu führen, dass Besucher nur noch mit Mudder Schulten auf Streifzug gehen. Auch die anderen historischen Figuren bieten einzigartige Einblicke:
- Graf Johann T’Serclaes von Tilly
- Adolf Friedrich der IV., Herzog von Mecklenburg-Strelitz
- Dodo Freiherr von Innhausen und zu Knyphausen
- August Mercker
- Fritz Reuter
- Herbord von Raven
- Friederike von Kimsky
- Müller Bernhard
- Matthias Gerling
„Meine Tour dauert etwa zwei bis zweieinhalb Stunden, und wir sehen dabei knapp ein Viertel der Stadt“, sagt Ilona Döbbert. „Wer wirklich alles entdecken möchte, sollte sich auch die anderen Führungen nicht entgehen lassen.“
Alle Termine für die Historischen Stadtführungen sind auf der Website des Veranstaltungszentrums Neubrandenburg verfügbar und bieten regelmäßig Gelegenheit, in die faszinierende Geschichte der Vier-Tore-Stadt einzutauchen.



