Für mich ist Spontaneität das größte Reise-Abenteuer. Eine Reise komplett planen? Für unseren Autor ist das keine Option.
Warum ich nicht plane
Seit 2013 arbeite ich als Freiberufler. Niemand muss fragen, ob ich morgen frei habe oder Urlaub nehmen darf. Diese Freiheit ist für mich Lebensqualität. Heute schaue ich auf eine Landkarte oder eine Website mit Flugpreisen, morgen bin ich schon unterwegs in ein neues Abenteuer. Besonders auf Reisen war diese Kurzentschlossenheit immer mein treuester Begleiter. Wer nicht plant, findet automatisch diese Grauzone, in der die unvergesslichsten Erlebnisse passieren.
Vielleicht schlagen Sie jetzt die Hände über dem Kopf zusammen. Wie kann man nur so naiv sein? Gerade eine Reise müsse doch genau vorbereitet sein, damit nichts schiefgeht. Ich sehe das anders. Für mich ist das Unbekannte besonders spannend, wenn ich mich unvorbereitet oder besser unvoreingenommen darauf einlasse. Die Geschichten, die das Leben schreibt, können meiner Meinung nach nicht stattfinden, wenn ich mir vorher ein festes Skript mache. Heute kann sich jeder dank Internet sekundengenau vorbereiten. Ideen entstehen und werden verworfen, nur weil irgendein Fremder online schreibt, es sei „gar nicht so toll“ gewesen.
Ein günstiger Flug und los geht's
Einen Anlaufpunkt brauche auch ich. Meist weiß ich nur, in welcher Stadt ich ankomme. Vor Ort möchte ich mit allen fünf Sinnen erleben: sehen, hören, schmecken, fühlen, riechen. Ich probiere immer auch ungewöhnliches einheimisches Essen und suche das Gespräch mit Einheimischen.
2023 verbrachte ich eine Woche spontan in Bosnien. Günstige Flüge gab es nach Irland und nach Bosnien. Mein erster Gedanke: ab nach Irland. Doch mein Bauchgefühl flüsterte mir, mich für die große Unbekannte zu entscheiden. Ich buchte nur den Flug.
In Banja Luka fragte ich bei der Ankunft nach lohnenswerten Reisezielen. Mit günstigen Fernbussen kam ich bequem durchs Land. In Jajce bestaunte ich den höchsten innerstädtischen Wasserfall auf europäischem Boden. In Mostar stand ich gegen Mitternacht bei knapp 30 Grad auf der weltberühmten Steinbrücke. Im Sutjeska-Nationalpark besuchte ich den höchsten Berg des Landes und den ältesten Regenwald unseres Kontinents. An jedem Stopp waren es spontane Gespräche, die mich weiterführten. Bosnien wurde für mich zu einem unvergesslichen Abenteuer.
Einfach mal losziehen
Ich will niemandem die Planung ausreden. Für viele bedeutet sie Sicherheit. Ich möchte nur einen Impuls geben: Einfach mal losziehen, ohne sich vorher ein Bild vom Bildschirm machen zu lassen. Diese Unsicherheit ist seit jeher mein Kraftstoff. Denn wo meine Komfortzone endet, beginnt das Abenteuer.



