Ein Trabi in der Garage – ein Stück DDR-Geschichte
Seit einigen Jahren steht in unserer Garage ein alter Trabi-Kübel. Das tarnfarbene Fahrzeug war einst im Dienst der Nationalen Volksarmee unterwegs und dient uns heute als Sonntagsausflugswagen. Mein Mann hatte mir die Anschaffung damals mit den Worten schmackhaft gemacht: „In Ermangelung eines echten Cabrios steigen wir in die DDR-Kutsche, wenn die Sonne brennt.“ Vermutlich war es eher sein Ostfahrzeug-Spleen, der ihn zum Kauf trieb. Aber inzwischen habe ich mich damit arrangiert. Vielleicht erweist sich der Flitzer ja irgendwann als gute Wertanlage.
Komfort? Fehlanzeige
Komfort darf man bei einem Trabi nicht erwarten. Der Innenraum ist spartanisch, technischer Schnickschnack sucht man vergebens. Fahrer und Beifahrer sitzen mit den Knien fast am Armaturenbrett. Auch auf der Rückbank ist es eng – wer dort mitfahren möchte, muss leidensfähig sein. Und dann ist da noch die Geräuschkulisse: Schon ab Tempo 40 glaubt man, neben dem Triebwerk eines Airbus zu sitzen. Es ist richtig, richtig laut.
Ein starkes Lüftchen weht einem um die Nase, Schals und Mützen müssen festgehalten werden, sonst sind sie weg. Auch der Gestank ist nicht ohne. Nach jeder Fahrt mit unserem Oldtimer wird mir klar, warum die Westdeutschen nach der Wende so naserümpfend durch unsere Straßen gingen. Für uns waren die Auspuffgase damals normal, für sie nicht. Und ehrlich gesagt: Daran möchte ich mich nicht mehr gewöhnen müssen.
Das Feeling – eine Klasse für sich
Doch was das Fahrgefühl angeht, ist Trabifahren eine Klasse für sich. Sofern ich nicht selbst am Steuer sitzen muss, liebe ich es. Denn es geht entschleunigt zu: Mehr als 80 km/h zeigt der Tacho meist nicht an. Außerdem klebt man vorn schön zusammen. Wir, die auch nach zwölf Jahren Beziehung noch Händchen haltend im Auto sitzen, genießen diese Nähe total.
Und das Bonbon sind die glänzenden Augen der Passanten: Wo auch immer wir angetuckert kommen, wird gewunken, gelacht und gehupt. Auf dem Parkplatz können wir sicher sein, dass immer mal jemand mit einem Grinsen im Gesicht angeschlendert kommt, um ein Foto bittet und alte DDR-Geschichten zum Besten gibt. Das ist schön – und würde einem mit einem Auto der neuen Generation auf keinen Fall passieren. Was meinen Sie? Erzählen Sie mir Ihre Oldtimer-Geschichten: [email protected]



