In Schorssow hat Maximilian Voß vor Touristikern der Mecklenburgischen Schweiz erklärt, warum er die Plattform „TrustDino“ gegründet hat. Auslöser war ein negativer Kommentar eines Nutzers namens Horst über ein Dorffest: „Selten so eine primitive und abstoßende Darbietung gesehen und das Dorf hat das gefeiert. Da sieht man, es gibt Unterschiede zwischen Stadt und Land, gruselig.“ Diese Bewertung war schlecht und offenbar nicht gerechtfertigt. „Im Netz lässt sich heute jeder aus“, sagte Voß, der mit seinem Bruder Philipp in Poppendorf bei Rostock das Café „Bio 24“ betreibt, ein Projekt für Senioren und gegen Einsamkeit. Aus Ärger über den anfänglichen Kommentar gründete der Gastronom die Plattform „TrustDino“ und hilft heute Unternehmen dabei, die eigene digitale Präsenz zu stärken und besser gefunden zu werden.
Plattform bündelt Marketing-Aktivitäten
Die Firma gibt es jetzt ein Jahr, sagte er vor Vertretern der Tourismusbranche in der Mecklenburgischen Schweiz, die das Thema „Sichtbarkeit“ diskutierten. Wie er im Seeschloss Schorssow erklärte, biete „TrustDino“ eine Plattform, die Marketing-Aktivitäten für kleine und mittlere Unternehmen bündelt. Die Firma setze dabei auf datenbasierte Auswertungen und Technologielösungen, um die Präsenz regionaler Betriebe zu erhöhen. Google sei der Platzhirsch unter den Suchmaschinen. Für 98 Prozent der Nutzer hätten hier Bewertungen einen hohen Stellenwert. „Für 93 Prozent sind sie kaufentscheidend“, verdeutlichte Voß. 46 Prozent aller Google-Suchen seien lokal. Wer auf den ersten drei Plätzen landet, erhalte 126 Prozent mehr Klicks. „Wir versuchen, unsere Kunden da ins Ranking hineinzubekommen“, so Voß. 17 Prozent des Rankings würden unterdessen durch Kundenbewertungen beeinflusst.
Gute Bewertungen auf eigener Webseite platzieren
Zwei Drittel der Deutschen würden KI (Künstliche Intelligenz) benutzen. „Das werden wir nicht aufhalten können“, meinte Voß. Um in der KI gefunden zu werden, sei noch nicht ganz erforscht. Eine Rolle spielten Faktoren wie Durchschnittsbewertungen, Anzahl der Online-Bewertungen, Aktualität der Reviews, Inhalte der Rezensionen oder lokale Bekanntheit. Voß gab den Touristikern den Tipp, gute Bewertungen auf ihre Webseite zu packen und diese von Portalen herunterzuholen sowie einen Bewertungsfilter zu nutzen. „Nutzer wollen sich lenken lassen“, erklärte er. Ziel sei es, dass man als Anbieter gut aussieht. Viel könne man selbst machen, um gefunden zu werden, wie beispielsweise seinen Google-Maps-Eintrag komplett auszufüllen. „Suchmaschinen brauchen alles“, so Voß. Wer Fake-Bewertungen erhalten habe, könne diese sehr einfach löschen lassen, indem man kostenfrei den Fake meldet. Zudem sollten Unternehmen ihr Profil für mehr Gäste optimieren. Bei der KI-Suche sollte man nicht auf Keywords setzen, sondern Inhalte müssten Fragen und Bedürfnisse der Nutzer präzise beantworten.
Unternehmen behalten Kontrolle über ihr Marketing
„TrustDino“ sei ein kleines Unternehmen mit Sitz in Greifswald, sagte Voß. Inzwischen betreut es 80 Kunden. Ihre Expertise basiere auf jahrelanger Erfahrung im Mittelstand, Marketing-Wissen und Einsatz moderner KI-Technologien. Letztere sollen Abläufe automatisieren und Hinweise auf lokale Zielgruppen liefern. Man entwickle Lösungen, mit denen Firmen nicht nur in klassischen Suchmaschinen, sondern auch in KI-Systemen wie ChatGPT, Bing AI und regionalen Kartenformaten erscheinen. Voß wies darauf hin, dass „TrustDino“ eine Plattform sei, kein Dienstleister. Unternehmen würden die Kontrolle über ihre Marketing-Maßnahmen behalten, während sie gleichzeitig professionelle Werkzeuge sowie KI-gestützte Empfehlungen erhalten. Die Touristiker der Mecklenburgischen Schweiz haben viele Anregungen mitgenommen. Für Robert Neidel, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburgische Seenplatte, hieß das, dass die Region intensiver im Netz auftreten müsse und alle Kanäle beliefert werden müssen. „KI gewinnt rasant an Bedeutung“, begründete er. Umso wichtiger sei es, dass sich Tourismus-Anbieter miteinander stärker vernetzen.



